Leben in einer nachhaltigen Welt

Sustainibility
Im Zusammenhang mit der Wirtschaftsentwicklung, dem zunehmenden Welthandel und der damit verbundenen Umweltbelastung, insbesondere den CO2-Emissionen, die ja die Hauptursache für den Klimawandel sein sollen, wird seit einigen Jahrzehnten immer wieder auf die Notwendigkeit hingewiesen, dass die Menschheit darauf achten sollte, das globale natürliche Gleichgewicht nicht zu gefährden oder gar zu zerstören, dass wir uns also alle im Sinne einer nachhaltigen Welt umstellen müssen, damit die nachfolgenden Generationen auch noch genug Ressourcen übrig haben und in einer gesunden und möglichst unbeschädigten Umwelt leben können. Solche Hinweise sind sicher gut gemeint und auch im Wesentlichen nicht falsch; ein sparsamerer Umgang mit den verfügbaren Ressourcen ist absolut wünschenswert und notwendig, damit die Grundbedürfnisse aller Menschen befriedigt werden können, die erwähnten Hinweise enthalten aber auch eine Gefahr, die nicht unerwähnt bleiben sollen.

Erstens: Der Begriff «Nachhaltigkeit» wird in neuerer Zeit dermaßen willkürlich und gedankenlos verwendet, dass die ursprüngliche Bedeutung und Zweckmäßigkeit der Idee immer mehr verloren geht. Der Journalist Wolfgang Halder schreibt in einem Artikel:1 «Wer auf der Höhe der Zeit sein will und jedermann bedeuten möchte, dass er ein guter Mensch ist, der sich um das Weltganze sorgt, der liest eine der zahlreichen neuen Nachhaltigkeits-Zeitschriften, «konsumiert nachhaltig», orientiert sich dabei am «nachhaltigen Warenkorb», widmet sich «nachhaltigen Projekten», die der Schaffung einer «nachhaltigen Wirtschaft» dienen und zu einer «nachhaltigen Verbesserung» des Lebens aller Menschen auf diesem Planeten führen sollen». Die unsinnigste Verwendung des Begriffs, die mir persönlich in letzter Zeit zu Ohren gekommen ist, ist eine Aussage von Abdullah bin Suwaidan,  stellvertretender Direktor beim Fremdenverkehrsamt Dubai, anlässlich der Fachmesse der internationalen Tourismus-Wirtschaft in Berlin (ITB): «In den letzten zehn Jahren haben sich viele Touristen für Dubai entschieden, weil es ein nachhaltiges Reiseziel ist, sicher und ungefährlich».

Zweitens: Wenn die Maßnahmen zur Bewahrung des so genannten globalen Gleichgewichts (was ohnehin nicht möglich ist) einen zu einschränkenden Charakter bekommen durch eine übertriebene Kontrolle und Steuerung in allmöglichen Bereichen, riskieren sie dann nicht den Fortgang der Dinge zu behindern? Täten wir zum Beispiel nicht besser daran, den steigenden CO2-Gehalt der Atmosphäre und den (vermutlich) damit verbundenen Temperaturanstieg als notgedrungene Folge des weltweiten Wirtschaftswachstums und dem damit verbundenen steigenden Wohlstand (auf den ja aus verständlichen Gründen niemand verzichten möchte) zu akzeptieren und alle unsere Anstrengungen darauf zu konzentrieren, uns der neuen Situation anzupassen, anstatt zu bremsen, zu warnen, uns vor kommenden Katastrophen zu fürchten und immer mehr Einschränkungen zu akzeptieren? Nachhaltigkeitsgesetzte zur Bewahrung des globalen Gleichgewichts vermitteln uns den Eindruck, wir (also die Menschen insgesamt) wären in der Lage, die Bedingungen auf diesem Planeten konstant zu halten, also zu kontrollieren. Ich bin mir ziemlich sicher, dass dazu das Wissen und die technischen Mittel der Menschen nicht ausreichen. Sie könnten aber ausreichen, Techniken, Mittel und Methoden zu entwickeln, um mit den neuen Bedingungen (also zum Beispiel einer wärmeren Welt) besser fertig zu werden. Ohne politische und wirtschaftliche Freiheit ist das aber nicht zu schaffen. Und diese Freiheit riskiert eben durch eine zu ideologisch orientierte Nachhaltigkeitspolitik zu sehr eingeschränkt zu werden. Wolfgang Halder drückt das überspitzt folgendermaßen aus: «Das ganze Leben droht zur bürokratisch gesteuerten Nachhaltigkeits-Monokultur zu werden. So wie der Sozialismus Wohlstand und Freiheit für alle versprach, aber – außer für eine winzige Funktionärsschicht – Armut und Gefangenschaft für alle brachte, so wird die Nachhaltigkeitsideologie auch das Gegenteil dessen bringen, was sie verheißt. Statt Schönheit, Freude, Wohlstand, Vielfalt, Erkenntnisfortschritt und Freiheit erwarten uns Einfalt, Ödnis, Hässlichkeit, Überwachung, Dumpfheit, Armut, Stillstand». Haber zögert auch nicht, Nachhaltigkeit als neue Spielart des Anti-Kapitalismus zu bezeichnen. Man muss die radikalen Äußerungen Habers nicht teilen, um einzusehen, dass freies Unternehmertum eine der wichtigsten Voraussetzungen (wenn auch nicht die einzige) ist, damit sich ein Land wirtschaftlich weiterentwickeln kann. Darüber hinaus sollten wir uns auch noch einmal daran erinnern, dass Voraussagen über die Lebensbedingungen der Menschen in 50, 60 oder 70 Jahren aus Gründen, die an anderer Stelle schon erwähnt wurden, ohnehin so gut wie unmöglich sind.

Extrapoliert man Entwicklungen, die sich in der Gegenwart als problematisch darstellen, linear in die Zukunft, erweisen sich solche Extrapolationen im Nachhinein fast immer als falsch. Und genau darin liegt der Haken, wenn man voraussagen möchte, wie die Welt in drei oder vier Jahrzehnten aussehen wird. Solche Voraussagen gehen fast immer davon aus, dass die Entwicklung in Zukunft mehr oder weniger so weitergehen wird wie in der unmittelbaren Vergangenheit (Thomas Malthus war nicht der einzige, dem dieser Fehler unterlaufen ist). Genau das aber ist nicht der Fall. Dafür ist die Dynamik des Ganzen zu komplex. Was heute noch gilt, kann schon morgen nicht mehr wahr sein. Daran ändern auch noch so ausgeklügelte Computerprogramme nichts, die, um das Problem der prinzipiellen Ungewissheit der Zukunft zu umgehen, unterschiedliche Wahrscheinlichkeitsszenarien ausarbeiten. Wenn unsere Kenntnisse über die Zukunft aber nicht ausreichen, dann ist es auch sehr problematisch zu wissen, was denn nachhaltiges Verhalten eigentlich bedeutet. Der Bevölkerungswissenschaftler Joel E. Cohen schreibt: «Niemand kennt den Weg zur Nachhaltigkeit, denn niemand kennt das Ziel, so es denn eines gibt. Wir wissen aber viel darüber, was wir heute tun können, um das Morgen besser zu gestalten».
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1 Der neue Götze Nachhaltigkeit, von Wolfgang Halder, ASIN:
B006M02ZTG

Das ist unsere Welt

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Luxemburg und der ökologische Fußabdruck

Globe in basket

Einwohner moderner Industriestaaten lassen sich immer wieder gerne dazu verleiten, mit dem (ökologischen ) Finger auf Länder, Staaten und Gebiete zu zeigen, deren Einwohner besonders dafür bekannt sind, einen Lebenstil zu führen, der alles andere als umweltfreundlich ist. Beliebte Opfer sind Städte wie Las Vegas (Nevada), Palm Springs (Kalifornien) und allem voran Dubai.

Im Zentrum Europas lebt eine 570 000 Einwohner starke Nation (ein Völkchen sozusagen), in der es nicht Wenige gibt, die sich in umweltbezogenen Diskussionen immer wieder gerne als besonders aufgeklärt profilieren, indem sie eben die weiter oben genannten Städte als krasse Umweltsünder bezeichnen und nicht müde werden, darauf hinzuweisen, wie rücksichtsvoll sie doch selbst mit der Natur umgehen. Dass Luxemburg nicht das einzige moderne Industrieland ist, in dem man solches zu Gehör bekommt, liegt auf der Hand.

Schauen wir uns doch einmal etwas genauer einige Fakten an für Luxemburg, das in mancher Hinsicht beschämende Weltrekorde zu verzeichnen hat, um mit diesen Fakten den besagten Aufgeklärten den Wind aus den Segeln zu nehmen.

Luxemburg ist das Land mit dem weltweit höchsten jährlichen Bruttoinlandsprodukt pro Kopf (das jährliche BIP pro Kopf ist der Geldwert aller im Land produzierten und verkauften Güter und Dienstleistungen während einem Jahr) und wird demzufolge gerne als das reichste Land der Welt bezeichnet. Laut Weltbank liegt das BIP / Kopf des zweitkleinsten Staates der EU für das Jahr 2014 bei rund 117.000.- US-Dollar und hat damit den Weltrang Nummer 1 (kaufkraftbereinigt liegt Qatar auf Rang 1 vor Luxemburg)1. Diese außergewöhnliche Wirtschaftsleistung, die gemeinhin als Indikator gilt für einen hohen Lebensstandard, schlägt sich nieder in einem ebenso außergewöhnlichen Lebensstil.

Hierzu ein konkretes Beispiel: wenn wir die Kleinterritorien Monaco und Gibraltar mal außer Acht lassen, hat Luxemburg die höchste Autodichte weltweit, mit 680 Autos pro 1000 Einwohner (zum Vergleich: in Dubai sind es 540 Autos pro 1000 Einwohner). Mehr als ein Auto pro Haushalt (aus Prestigegründen werden hubraumstarke Autos bevorzugt) ist in Luxemburg schon seit langem für die meisten Haushalte eine Selbstverständlichkeit. Dass ein Auto viel Energie in Form von Treibstoff verbraucht und durch seine Abgase die Luft verpestet, ist gewusst, aber darüber redet man nicht gerne. Ähnliche Daten ließen sich sicher nachweisen für die Zahl der Fernseher oder Handys pro Kopf und ähnliches.

Um nun eine globale Beurteilung zu ermöglichen, wie umweltfreundlich, respektive wie verschwenderisch eine Nation (oder eine einzelne Person) mit den auf unserem Planeten verfügbaren (und begrenzten) Ressourcen umgeht, entwickelten der Schweizer Umweltforscher und Präsident der Organisation „Global Footprint Network“ Mathis Wackernagel und der kanadische Professor William Rees 1994 das Konzept des ölologischen Fußabdrucks. Darunter versteht man die Fläche auf der Erde, die notwendig ist, um den Lebensstil und Lebensstandard eines Menschen (unter den heutigen Produktionsbedingungen) dauerhaft zu ermöglichen. Das schließt Flächen ein, die zur Produktion von Kleidung und Nahrung oder zur Bereitstellung von Energie benötigt werden, aber z. B. auch zur Entsorgung von Müll oder zum Binden des durch menschliche Aktivitäten freigesetzten Kohlenstoffdioxids. Die Werte werden in Globalen Hektar (abgekürzt gha) pro Person und Jahr angegeben. Das globale Hektar entspricht einem Hektar durchschnittlicher biologischer Produktivität weltweit.
Die 6 Komponenten, die zur Bestimmung des ökologischen Fußabdrucks berücksichtigt werden, sind: landwirtschaftlich genutzte Flächen, Fischgründe, Wälder, deren Holz für sehr unterschiedliche Zwecke genutzt wird (Papierherstellung zum Beispiel), Weideland für die Viehzucht, bebautes Land und die Flächen, die wir benötigen, um unseren Abfall zu beseitigen. Schließlich wird auch das durch menschliche Aktivitäten entstehende Kohlendioxid bei der Bestimmung des ökologischen Fussabdrucks mit verrechnet.

Die Produktivität einer Fläche ist natürlich je nach Naturbedingungen und Nutzungsmethoden sehr unterschiedlich. Ein Hektar Wald in Europa beispielsweise hat nicht dieselbe Produktivität wie ein Hektar tropischer Regenwald. Mit dem globalen Hektar (der eine einheitliche Maßeinheit ist) können also verschiedene Länder  oder Gebiete weltweit verglichen werden. Teilt man überdies die Gesamtfläche der globalen Hektar durch die Weltbevölkerung, kommt man auf 1,7 gha pro Person. Derzeit benötigt die Menschheit aber durchschnittlich knapp 2,6 gha pro Person, was man als Ressourcenübernutzung oder ökologische Überlastung bezeichnet (wenn wir mehr Bäume fällen als nachwachsen können oder mehr Fische fangen als natürlicherweise geboren werden und aufwachsen können, findet eine Ressourcenübernutzung statt). Der ökologische Fußabdruck ist demnach 1,5mal so groß wie die Biokapazität der Erde,2 also die (begrenzte) Gesamtfläche und ihre Produktivität, die die Erde uns zur Verfügung stellt (nach „Living Planet“ Report 2014“).

Diese Ressourcenübernutzung ist nun aber besonders hoch in den modernen Industriestaaten. In Nordamerika beispielsweise beträgt der ökologische Fußabdruck 8,2 gha, in Europa 4,7 und in Afrika lediglich 1,4. Würden alle Menschen so leben, wie die Menschen in den modernen Industrieländern, bräuchten wir mehrere Erden, um den Lebensstil Aller auf Dauer zu gewährleisten.

Der ökologische Fußabdruck pro Person in Luxemburg ist der höchste weltweit4: er beträgt 14,7 gha (!!). Bisher wurde noch nie ein Wert für ein Land errechnet, der höher liegt (zum Vergleich: 12 gha für Dubai). Dazu ein Beispiel einer der weiter oben angeführten Komponenten dieses Abdrucks: auch, wenn es um die jährlich anfallende Menge Haushaltsmüll geht, ist Luxemburg weltweit führend mit 700 kg pro Kopf und Jahr.

Ich bin selber in Luxemburg geboren und wohne dort schon seit über 60 Jahren. Ich genieße einen hohen Lebensstandard, für den ich sehr dankbar bin. Mein persönlicher ökologischer Fußabdruck ist viel zu hoch und deswegen hüte ich mich davor, über andere Länder oder Städte herzufallen und deren Einwohner als krasse Umweltsünder zu bezeichnen. Denn ich weiß auch:

Wenn alle 7,3 Milliarden Menschen auf diesem Planeten so leben würden wie der Durchschnitts-Luxemburger, die Menschheit 8 Erden (!!!!!) benötigen würde, um deren Lebensstil auf Dauer zu gewährleisten.
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1 Das hohe Niveau des BIP pro Kopf in Luxemburg ist allerdings teilweise auf den großen Anteil von
Grenzgängern an der Gesamtbeschäftigung zurückzuführen. Sie tragen zwar zum BIP bei, werden aber bei der
Wohnbevölkerung nicht berücksichtigt, die zur Berechnung des BIP pro Kopf herangezogen wird. In einer
Publikation aus dem Jahr 2013 stellte das Statec fest, dass „das verfügbare Einkommen privater Haushalte pro
Kopf im Gegensatz zum BIP pro Kopf, ein geeigneter Indikator zur Messung des durchschnittlichen
Lebensstandards eines Landes ist. Im Bruttonationaleinkommen (BNE) werden aus dem oder an das Ausland
geflossene Einkommen, wie ggf. von Grenzgängern erzielte Einnahmen, nicht berücksichtigt ( Quelle)

2 Der ökologische Fußabdruck der Menschheit überschreitet die Biokapazität der Erde schon seit Mitte der 1980er
Jahre.

3 Zu bemerken ist, dass Letztere sehr ungleich auf der Erde verteilt ist (genau wie die Ressourcen auch). Nur zehn
Länder (von insgesamt 194) verfügen über 60% (!!!) der Biokapazität unseres Planeten.

4 Weitere Einzelheiten finden Sie HIER

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Übrigens: 2050 soll Dubai die Stadt mit dem niedrigsten CO2-Fußabdruck weltweit sein. Lesen Sie HIER.

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