Die Entwicklung der Weltbevölkerung

Die zahlenmäßige Entwicklung der Weltbevölkerung beschäftigt die Bevölkerungswissenschaftler besonders seit dem Beginn der weltweiten Bevölkerungsexplosion.
Ende des 18. Jahrhunderts hat der britische Ökonom  und anglikanische Pfarrer Thomas Robert Malthus in seinem «Essay of the Principle of Population» (Abhandlung über das Bevölkerungsgesetz) die These vertreten, dass die Zahl der Menschen in geometrischer Progression und die verfügbaren Ressourcen, also die landwirtschaftliche Produktion (in der Hauptsache die Lebensmittel) nur in arithmetischer Progression zunehmen, was letztendlich zu einer hoffnungslosen Überbevölkerung der Erde, also zu Hungersnöten, Krieg und Epidemien führen muss (sprich: viel zu viele Menschen gegenüber zu wenig Ressourcen). Daher stammt der Begriff: Malthusianismus.
Und in der Tat, wenn wir die Entwicklung der Weltbevölkerung vom Jahr 1800 (also zur Zeit der Veröffentlichung des besagten Werkes von Malthus, während der in England, also im Heimatland des Autors, Elend noch sehr verbreitet war) bis heute betrachten, ist es ziemlich naheliegend, davon auszugehen, dass sich die These des britischen Ökonoms bewahrheiten wird: Eine Milliarde Menschen im Jahr 1800, schon 2 Milliarden im Jahr 1927 (also eine Verdoppelung in nur 127 Jahren) und noch einmal eine Verdoppelung innerhalb von nur 47 Jahren. Mitte der siebziger Jahre lebten zum ersten Mal rund 4 Milliarden Menschen auf der Erde. Auch Joachim Bublath verkündet im August des Jahres 1984 am Ende seiner Sendung «Das überfüllte Raumschiff» (aus der Reihe «Aus Forschung und Technik»): «Die Hoffnungen auf ein gutes Ende sind nicht groß». Die Weltbevölkerung lag damals bei  schätzungsweise  4,85 Milliarden Menschen. Heute leben mehr als 7 Milliarden Menschen auf der Welt und innerhalb der nächsten 30-40 Jahre werden mit sehr hoher Wahrscheinlichkeit noch weitere zwei Milliarden dazu kommen.
Immer wieder werden diese Zahlen von «Zukunftsforschern» herangezogen, um vor einem drohenden Zusammenbruch des Ökosystems Erde zu warnen. Aus anderen Lagern ist dann wieder von Zeit zu Zeit das Argument zu hören, dass man angesichts solcher Bevölkerungsprognosen letztendlich ja nicht wissen kann, was in den nächsten Jahrzehnten noch so alles geschehen wird. Naturkatastrophen und Epidemien könnten sich ja vermehren und so das Wachstum der Weltbevölkerung mehr oder weniger verlangsamen. Den letzteren sei entgegengehalten, dass, so oder so, eine allgemeine Häufung von Naturkatastrophen und Epidemien, angesichts der Weltbevölkerungsentwicklung, nur ein Tropfen auf den heißen Stein ist. Laut Angaben des UNO-Zentrums für Seuchen- und Katastrophenforschung (CRED) war das Jahr 2010 eines der schlimmsten innerhalb der letzten zwei Jahrzehnte. 373 Naturkatastrophen haben die Menschheit heimgesucht in diesem Jahr. 300 000 Menschen kamen dabei ums Leben.
Das Wachstum der Weltbevölkerung braucht weniger als 2 Tage, um diese Menschenzahl zu «ersetzen» (natürlich ist ein Menschenleben nicht zu ersetzen, aber das ist nicht das Problem, um das es hier geht).
Naturkatastrophen tragen aber nicht nur nichts dazu bei, die Weltbevölkerungsexplosion zu dämpfen, sie verschärfen die Probleme in diesem Zusammenhang sogar noch erheblich, denn die 373 Naturkatastrophen des Jahres 2010 haben rund 200 Millionen Menschen obdachlos gemacht und ihnen Hab und Gut genommen.
Also doch düstere Aussichten bezüglich der Weltbevölkerungsentwicklung? Nein. Auch die malthusianischen Thesen haben sich im Nachhinein als falsch erwiesen. Rückblickend und in Anbetracht der heutigen Lage sind wir weit entfernt von den Voraussagen von Robert Malthus und den (fast 200 Jahre nach Malthus immer noch erstaunlich weit verbreiteten) apokalyptischen Visionen zahlreicher Publizisten und Politiker der 1970er und 1980er Jahre. In «Das globale Gleichgewicht» (1974) von der im Februar 2001 verstorbenen US-amerikanischen Umweltwissenschaftlerin und Autorin Donella Meodows heißt es: «Geht in den nächsten Jahrzehnten alles so weiter wie in den vergangenen, beginnt spätestens um das Jahr 2030 aufgrund der sich bis dahin ständig vermehrenden Weltbevölkerung und der entsprechenden Umweltverschmutzung ein unaufhaltsames Sterben. Die zu dieser Zeit auf 10 bis 12 Milliarden angewachsene Menschheit wird zwangsläufig auf etwa ein Sechstel reduziert. Und zwar innerhalb von 20 Jahren ……..». Und in dem Buch aus dem Jahr 1985 «So lasst uns denn ein Apfelbäumchen pflanzen» von Hoimar v. Ditfurth, behauptet der Wissenschaftspublizist am Ende des Kapitels über den kommenden «Zusammenbruch der Biosphäre», dass die Weltbevölkerungsexplosion die Wurzel allen Übels ist und verweist wieder auf die Tatsache, dass eine geometrische Progression der Menschenzahl unweigerlich früher oder später in eine Sackgasse führt, unser Gehirn aber mehr oder weniger unfähig ist, richtig abschätzen zu können, wie schnell solch eine Entwicklung ab einem bestimmten Punkt die Katastrophe auslösen kann. Das wird dann auch anhand von zwei Beispielen veranschaulicht. Wenn Seerosen sich auf der Wasseroberfläche eines Sees ausbreiten, sich die bedeckte Fläche mit jedem Tag verdoppelt und der See nach 99 Tagen halb zugewachsen ist, dauert es in der Tat nur noch einen einzigen Tag, bis er ganz zugewachsen ist (ein ganz ähnliches Beispiel wurde übrigens auch von Joachim Bublath vorgeführt in der oben erwähnten Sendung). Oder wenn wir in Gedanken ein 0,1 Millimeter dickes Blatt Papier in der Hälfte zusammenfalten, und noch einmal und noch einmal und so weiter, dann verdoppelt sich die Dicke des Papiers bei jedem Faltvorgang und erreicht nach nur 50-maligem Zusammenfalten eine Dicke von mehr als hundert Millionen Kilometern.
Nun sind solche Berechnungen zwar interessant und werden oft herangezogen, um dem Menschen klar zu machen, wie unfähig er ist, das Resultat einer längeren geometrischen Progression richtig einzuschätzen, sie taugen aber nicht viel im Zusammenhang mit der tatsächlichen Weltbevölkerungsentwicklung, da ganz einfach die Faktoren, die letztere beeinflussen (und das sind in der Hauptsache menschliche Faktoren), so zahlreich und so schwer einzuschätzen sind, dass niemand deren langfristige zukünftige Entwicklung (also für Zeiträume, die länger sind als zwei bis drei Jahrzehnte) wirklich richtig einzuschätzen vermag. Die Entwicklung der letzten dreißig Jahre bestätigt das und auch die Experten der UNO haben ihre Angaben immer wieder revidieren müssen.

  Wie also ist aus heutiger Sicht und aufgrund dessen, was in den letzten 25 Jahren geschehen ist, die Entwicklung der Weltbevölkerung für die nächsten 30 -40 Jahre einzuschätzen (unter dem Vorbehalt natürlich, dass auch diese Einschätzungen sich im Nachhinein als falsch erweisen können)?
Erfahren Sie mehr dazu in “Das ist unsere Welt

Datenreport der Stiftung Weltbevölkerung (als PDF herunterladen).
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Infoblätter – Grafiken, eine Länderdatenbank zum Thema Weltbevölkerung und eine Weltbevölkerungsuhr finden Sie HIER
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Steigender Wohlstand weltweit

Noch nie konnten sich so viele Menschen so viel leisten wie heute, noch nie war das globale Warenangebot so vielseitig und noch nie war die weltweite Lebenserwartung so hoch wie heute (in den letzten 100 Jahren stieg die durchschnittliche Lebenserwartung der Weltbevölkerung von 30 bis auf knapp 70 Jahre). Die beiden nächstfolgenden Grafiken zeigen eine Gegenüberstellung von weltweitem Pro-Kopf Einkommen (horizontale Skala) und durchschnittlicher Lebenserwartung (vertikale Skala) im Jahr 1800 und im Jahr 2000 (190 Staaten, gegliedert nach 6 Großregionen). Im Jahr 1800 sind fast alle Punkte unten links angesiedelt, was auf eine geringe Lebenserwartung (fast alle Staaten liegen unter 40 Jahren) und ein geringes Pro-Kopf Einkommen hinweist. Während den letzten 200 Jahren haben sich alle Kreise nach oben und die meisten gleichzeitig nach rechts bewegt.

Gapminder Grafik

Und die Zahlen der nächstfolgendenTabelle zeigen, dass auch zwischen 1950 und 2010 (die Weltbevölkerung stieg in diesem Zeitraum von 2,4 bis auf 6,89 Milliarden an, das ist fast eine Verdreifachung) die durchschnittliche Lebenserwartung weltweit von 56 auf 72 Jahre angestiegen ist. Im krisengeschüttelten und wirtschaftsschwachen Afrika war der prozentuale Anstieg sogar mit 44,5% der zweitstärkste (nach Asien mit 60,8%).

Lebenserwartung

Unter dem Bevölkerungsdruck nahm der weltweite Wohlstand nicht ab, wie man das vor 200 Jahren hätte erwarten können, sondern er nahm kontinuierlich zu (siehe auch “Die Entwicklung der Weltbevölkerung“)

Dieser Trend hat sich auch im Zeitraum 1990-2010 bestätigt, betrachtet man zum Beispiel die Zahlen über die prozentuale Veränderung der an Nahrungsmangel leidenden Menschen weltweit. 1990 leideten 15,4% der damals 5,3 Milliarden Menschen unter Nahrungsmangel, im Jahr 2000 waren es nur noch 13,5% und laut Voraussagen der Welternährungsorganisation (FAO) wird dieser Prozentsatz im Jahr 2015 bis auf 9,1% und bis 2030 sogar bis auf 6,7% gesunken sein. Die Ursachen für diese Entwicklung sind an aller ersten Stelle die steigenden Hektarerträge in der Landwirtschaft und der zuneh-mende Welthandel. In seiner mehr als 400 Seiten umfassenden Studie im Auftrag der OECD («Die Weltwirtschaft: eine Milleniumsperspektive») weist Angus Maddison darauf hin, dass das weltweite Pro-Kopf-Einkommen zwischen 1820 und 1998 um mehr als das Achtfache gestiegen ist.

Wie aber verhält es sich mit der Entwicklung der Ungleichheiten zwischen Ländern und Individuen?

An anderer Stelle hatte ich darauf hingewiesen, dass die Einkommensunterschiede zwischen den Ärmsten und den Reichsten gewaltig sind.

Bei einer genaueren Analyse der weltweiten Ungleichheiten ist darauf zu achten, dass man sowohl die Ungleichheiten zwischen den Ländern als auch innerhalb der Länder (also zwischen den Gesellschaftsschichten und den einzelnen Individuen) berücksichtigt. Zur Messung der Ungleichheiten zwischen den Ländern wird in der Regel das durchschnittliche Pro-Kopf Einkommen benutzt. Um die Ungleichheiten innerhalb eines Landes zu messen, benutzt man den GINI-Index, eine aus mehreren Variablen errechnete Zahl, die zwischen 0 (die Einkommen aller berücksichtigten Individuen oder Länder sind absolut gleich) und 1 schwankt ( ein Index von 1 würde bedeuten, dass die Einkommen zu 100% auf eine Person konzentriert sind). Natürlich treffen weder 1 noch 0 in der Wirklichkeit zu. Je näher der Index also zu 0 tendiert, umso geringer sind die Ungleichheiten.

Betrachtet man die obenstehenden Grafiken, so ist klar zu erkennen, dass die Ungleichheiten zwischen 1800 und dem Jahr 2000 global zugenommen haben. Die Wolke wurde in beide Richtungen (also vertikal und horizontal) immer weiter auseinandergerissen. Betrug der Einkommensunterschied zwischen den ärmsten und den reichsten Ländern im Jahr 1800 etwas mehr als 2000.- US-Dollar, so war er um das Jahr 1900 schon auf fast 6000.- US-Dollar angestiegen und im Jahr 2000 verzeichneten Länder wie die USA und das Vereinigte Königreich Pro-Kopf Einkommen von über 40 000.- US-Dollar, wohingegen ein Großteil der afrikanischen Länder sich immer noch unter der 1000-Marke befindet.

Der französische Ökonom Jean Gadrey weist in einem Artikel in der französischen Zeitschrift «Alternatives économiques» vom März 2007 darauf hin, dass die Einschätzung der Ungleichheiten auf der Welt ein komplexes und umstrittenes Problem darstellt und zu sehr unterschiedlichen Resultaten führt, je nachdem welche Berechnungsmethode angewandt wird. So ergibt sich, je nach Berechnungskonzept, einmal eine Vergrößerung der Ungleichheiten innerhalb der Länder während der letzten Jahrzehnte und ein andermal eine Verringerung.

Insbesondere die Gegner der Globalisierung weisen immer wieder darauf hin, dass die freie Marktwirtschaft und das kapitalistische System im Allgemeinen die Ungleichheiten weltweit vergrößert haben. Da dieses System auf Konkurrenz beruht, werden die Leistungsschwächeren vom Markt verdrängt, während die Stärkeren immer mächtiger und reicher werden. Innerhalb vieler Länder sind auch tatsächlich die Ungleichheiten zwischen den Regionen und den Individuen während den letzten drei Jahrzehnten gestiegen (so ist zum Beispiel in China der GINI-Index innerhalb der letzten 30 Jahre von 0,16 bis auf 0,46 gestiegen).

Betrachtet man die Zahlen über die Entwicklung der absoluten Armut weltweit (siehe Tabelle unten), bietet sich allerdings wieder ein ganz anderes Bild. Laut Weltbank gelten Menschen als absolut arm, wenn sie mit weniger als 1,25.- US-Dollar pro Tag auskommen müssen (bereinigt um Kaufkraftunterschiede und Preissteigerungen zwischen den Ländern). Zwischen 1980 und 2005 sank die globale Armutsquote weltweit von 52 auf 26%.

Veränderung der Zahl der Ärmsten

Dieser Entwicklung halten nun Kritiker wieder entgegen, dass diese relativ positive Entwicklung hauptsächlich auf das rasante Wirtschaftswachstum Chinas und Indiens zurückzuführen ist und man diese beiden Länder von den Berechnungen eigentlich ausschließen müsste. Mit welcher Begründung China und Indien von einer globalen Einschätzung der absoluten Armutsentwicklung ausgeschlossen werden sollten, bleibt mir allerdings ein Rätsel. Die Chinesen und Inder machen 36% der Weltbevölkerung aus und gerade in diesen beiden Schwellenländern zeigt sich, wie die Öffnung der Märkte und das freie Unternehmertum es geschafft haben, hunderte von Millionen aus der Armut zu befreien. In China gibt es inzwischen eine relativ gut verdienende Mittelschicht von rund 350 Millionen Menschen und laut einer Studie des «Internationalen Fonds für landwirtschaftliche Entwicklung» (Ifad) fiel die Zahl der extrem Armen um zwei Drittel, von 356 auf 117 Millionen Menschen (nur noch knappe 9% der Gesamtbevölkerung).

Ich möchte schließlich in diesem Zusammenhang noch ein drittes Mal auf die obenstehenden Grafiken hinweisen und das wohl entscheidendste Merkmal an dieser Entwicklung hervorstreichen.

  Ist, wenn man die obere mit der unteren Grafik vergleicht, nicht unverkennbar zu sehen, dass die Wolke sich insgesamt in Richtung obere rechte Ecke bewegt. Geht die Gesamtentwicklung nicht eindeutig in Richtung «immer mehr Wohlstand für immer mehr Menschen»?

  Damit stellt sich dann aber auch eine ganz andere entscheidende Frage: wenn tatsächlich während den letzten 200 Jahren weltweit immer mehr Wohlstand geschaffen werden konnte dank Industrialisierung, Handel und internationaler Arbeitsteilung, war diese Entwicklung dann vielleicht nur möglich, weil sie auf einer rücksichtslosen Ausbeutung der Naturressourcen beruhte, und bleibt noch genug übrig davon, um den kommenden Generationen eine Entwicklung in die gleiche Richtung zu ermöglichen? Wie verhält es sich also mit den derzeit verfügbaren Ressourcen, mit den Rohstoffen und Energiequellen, mit der Nahrungsproduktion und dem trinkbaren Wasser?
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Das ist unsere Welt

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