Luxemburg und der ökologische Fußabdruck

Globe in basket

Einwohner moderner Industriestaaten lassen sich immer wieder gerne dazu verleiten, mit dem (ökologischen ) Finger auf Länder, Staaten und Gebiete zu zeigen, deren Einwohner besonders dafür bekannt sind, einen Lebenstil zu führen, der alles andere als umweltfreundlich ist. Beliebte Opfer sind Städte wie Las Vegas (Nevada), Palm Springs (Kalifornien) und allem voran Dubai.

Im Zentrum Europas lebt eine 570 000 Einwohner starke Nation (ein Völkchen sozusagen), in der es nicht Wenige gibt, die sich in umweltbezogenen Diskussionen immer wieder gerne als besonders aufgeklärt profilieren, indem sie eben die weiter oben genannten Städte als krasse Umweltsünder bezeichnen und nicht müde werden, darauf hinzuweisen, wie rücksichtsvoll sie doch selbst mit der Natur umgehen. Dass Luxemburg nicht das einzige moderne Industrieland ist, in dem man solches zu Gehör bekommt, liegt auf der Hand.

Schauen wir uns doch einmal etwas genauer einige Fakten an für Luxemburg, das in mancher Hinsicht beschämende Weltrekorde zu verzeichnen hat, um mit diesen Fakten den besagten Aufgeklärten den Wind aus den Segeln zu nehmen.

Luxemburg ist das Land mit dem weltweit höchsten jährlichen Bruttoinlandsprodukt pro Kopf (das jährliche BIP pro Kopf ist der Geldwert aller im Land produzierten und verkauften Güter und Dienstleistungen während einem Jahr) und wird demzufolge gerne als das reichste Land der Welt bezeichnet. Laut Weltbank liegt das BIP / Kopf des zweitkleinsten Staates der EU für das Jahr 2014 bei rund 117.000.- US-Dollar und hat damit den Weltrang Nummer 1 (kaufkraftbereinigt liegt Qatar auf Rang 1 vor Luxemburg)1. Diese außergewöhnliche Wirtschaftsleistung, die gemeinhin als Indikator gilt für einen hohen Lebensstandard, schlägt sich nieder in einem ebenso außergewöhnlichen Lebensstil.

Hierzu ein konkretes Beispiel: wenn wir die Kleinterritorien Monaco und Gibraltar mal außer Acht lassen, hat Luxemburg die höchste Autodichte weltweit, mit 680 Autos pro 1000 Einwohner (zum Vergleich: in Dubai sind es 540 Autos pro 1000 Einwohner). Mehr als ein Auto pro Haushalt (aus Prestigegründen werden hubraumstarke Autos bevorzugt) ist in Luxemburg schon seit langem für die meisten Haushalte eine Selbstverständlichkeit. Dass ein Auto viel Energie in Form von Treibstoff verbraucht und durch seine Abgase die Luft verpestet, ist gewusst, aber darüber redet man nicht gerne. Ähnliche Daten ließen sich sicher nachweisen für die Zahl der Fernseher oder Handys pro Kopf und ähnliches.

Um nun eine globale Beurteilung zu ermöglichen, wie umweltfreundlich, respektive wie verschwenderisch eine Nation (oder eine einzelne Person) mit den auf unserem Planeten verfügbaren (und begrenzten) Ressourcen umgeht, entwickelten der Schweizer Umweltforscher und Präsident der Organisation „Global Footprint Network“ Mathis Wackernagel und der kanadische Professor William Rees 1994 das Konzept des ölologischen Fußabdrucks. Darunter versteht man die Fläche auf der Erde, die notwendig ist, um den Lebensstil und Lebensstandard eines Menschen (unter den heutigen Produktionsbedingungen) dauerhaft zu ermöglichen. Das schließt Flächen ein, die zur Produktion von Kleidung und Nahrung oder zur Bereitstellung von Energie benötigt werden, aber z. B. auch zur Entsorgung von Müll oder zum Binden des durch menschliche Aktivitäten freigesetzten Kohlenstoffdioxids. Die Werte werden in Globalen Hektar (abgekürzt gha) pro Person und Jahr angegeben. Das globale Hektar entspricht einem Hektar durchschnittlicher biologischer Produktivität weltweit.
Die 6 Komponenten, die zur Bestimmung des ökologischen Fußabdrucks berücksichtigt werden, sind: landwirtschaftlich genutzte Flächen, Fischgründe, Wälder, deren Holz für sehr unterschiedliche Zwecke genutzt wird (Papierherstellung zum Beispiel), Weideland für die Viehzucht, bebautes Land und die Flächen, die wir benötigen, um unseren Abfall zu beseitigen. Schließlich wird auch das durch menschliche Aktivitäten entstehende Kohlendioxid bei der Bestimmung des ökologischen Fussabdrucks mit verrechnet.

Die Produktivität einer Fläche ist natürlich je nach Naturbedingungen und Nutzungsmethoden sehr unterschiedlich. Ein Hektar Wald in Europa beispielsweise hat nicht dieselbe Produktivität wie ein Hektar tropischer Regenwald. Mit dem globalen Hektar (der eine einheitliche Maßeinheit ist) können also verschiedene Länder  oder Gebiete weltweit verglichen werden. Teilt man überdies die Gesamtfläche der globalen Hektar durch die Weltbevölkerung, kommt man auf 1,7 gha pro Person. Derzeit benötigt die Menschheit aber durchschnittlich knapp 2,6 gha pro Person, was man als Ressourcenübernutzung oder ökologische Überlastung bezeichnet (wenn wir mehr Bäume fällen als nachwachsen können oder mehr Fische fangen als natürlicherweise geboren werden und aufwachsen können, findet eine Ressourcenübernutzung statt). Der ökologische Fußabdruck ist demnach 1,5mal so groß wie die Biokapazität der Erde,2 also die (begrenzte) Gesamtfläche und ihre Produktivität, die die Erde uns zur Verfügung stellt (nach „Living Planet“ Report 2014“).

Diese Ressourcenübernutzung ist nun aber besonders hoch in den modernen Industriestaaten. In Nordamerika beispielsweise beträgt der ökologische Fußabdruck 8,2 gha, in Europa 4,7 und in Afrika lediglich 1,4. Würden alle Menschen so leben, wie die Menschen in den modernen Industrieländern, bräuchten wir mehrere Erden, um den Lebensstil Aller auf Dauer zu gewährleisten.

Der ökologische Fußabdruck pro Person in Luxemburg ist der höchste weltweit4: er beträgt 14,7 gha (!!). Bisher wurde noch nie ein Wert für ein Land errechnet, der höher liegt (zum Vergleich: 12 gha für Dubai). Dazu ein Beispiel einer der weiter oben angeführten Komponenten dieses Abdrucks: auch, wenn es um die jährlich anfallende Menge Haushaltsmüll geht, ist Luxemburg weltweit führend mit 700 kg pro Kopf und Jahr.

Ich bin selber in Luxemburg geboren und wohne dort schon seit über 60 Jahren. Ich genieße einen hohen Lebensstandard, für den ich sehr dankbar bin. Mein persönlicher ökologischer Fußabdruck ist viel zu hoch und deswegen hüte ich mich davor, über andere Länder oder Städte herzufallen und deren Einwohner als krasse Umweltsünder zu bezeichnen. Denn ich weiß auch:

Wenn alle 7,3 Milliarden Menschen auf diesem Planeten so leben würden wie der Durchschnitts-Luxemburger, die Menschheit 8 Erden (!!!!!) benötigen würde, um deren Lebensstil auf Dauer zu gewährleisten.
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1 Das hohe Niveau des BIP pro Kopf in Luxemburg ist allerdings teilweise auf den großen Anteil von
Grenzgängern an der Gesamtbeschäftigung zurückzuführen. Sie tragen zwar zum BIP bei, werden aber bei der
Wohnbevölkerung nicht berücksichtigt, die zur Berechnung des BIP pro Kopf herangezogen wird. In einer
Publikation aus dem Jahr 2013 stellte das Statec fest, dass „das verfügbare Einkommen privater Haushalte pro
Kopf im Gegensatz zum BIP pro Kopf, ein geeigneter Indikator zur Messung des durchschnittlichen
Lebensstandards eines Landes ist. Im Bruttonationaleinkommen (BNE) werden aus dem oder an das Ausland
geflossene Einkommen, wie ggf. von Grenzgängern erzielte Einnahmen, nicht berücksichtigt ( Quelle)

2 Der ökologische Fußabdruck der Menschheit überschreitet die Biokapazität der Erde schon seit Mitte der 1980er
Jahre.

3 Zu bemerken ist, dass Letztere sehr ungleich auf der Erde verteilt ist (genau wie die Ressourcen auch). Nur zehn
Länder (von insgesamt 194) verfügen über 60% (!!!) der Biokapazität unseres Planeten.

4 Weitere Einzelheiten finden Sie HIER

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Übrigens: 2050 soll Dubai die Stadt mit dem niedrigsten CO2-Fußabdruck weltweit sein. Lesen Sie HIER.

Die Entwicklung der Weltbevölkerung

Die zahlenmäßige Entwicklung der Weltbevölkerung beschäftigt die Bevölkerungswissenschaftler besonders seit dem Beginn der weltweiten Bevölkerungsexplosion.
Ende des 18. Jahrhunderts hat der britische Ökonom  und anglikanische Pfarrer Thomas Robert Malthus in seinem «Essay of the Principle of Population» (Abhandlung über das Bevölkerungsgesetz) die These vertreten, dass die Zahl der Menschen in geometrischer Progression und die verfügbaren Ressourcen, also die landwirtschaftliche Produktion (in der Hauptsache die Lebensmittel) nur in arithmetischer Progression zunehmen, was letztendlich zu einer hoffnungslosen Überbevölkerung der Erde, also zu Hungersnöten, Krieg und Epidemien führen muss (sprich: viel zu viele Menschen gegenüber zu wenig Ressourcen). Daher stammt der Begriff: Malthusianismus.
Und in der Tat, wenn wir die Entwicklung der Weltbevölkerung vom Jahr 1800 (also zur Zeit der Veröffentlichung des besagten Werkes von Malthus, während der in England, also im Heimatland des Autors, Elend noch sehr verbreitet war) bis heute betrachten, ist es ziemlich naheliegend, davon auszugehen, dass sich die These des britischen Ökonoms bewahrheiten wird: Eine Milliarde Menschen im Jahr 1800, schon 2 Milliarden im Jahr 1927 (also eine Verdoppelung in nur 127 Jahren) und noch einmal eine Verdoppelung innerhalb von nur 47 Jahren. Mitte der siebziger Jahre lebten zum ersten Mal rund 4 Milliarden Menschen auf der Erde. Auch Joachim Bublath verkündet im August des Jahres 1984 am Ende seiner Sendung «Das überfüllte Raumschiff» (aus der Reihe «Aus Forschung und Technik»): «Die Hoffnungen auf ein gutes Ende sind nicht groß». Die Weltbevölkerung lag damals bei  schätzungsweise  4,85 Milliarden Menschen. Heute leben mehr als 7 Milliarden Menschen auf der Welt und innerhalb der nächsten 30-40 Jahre werden mit sehr hoher Wahrscheinlichkeit noch weitere zwei Milliarden dazu kommen.
Immer wieder werden diese Zahlen von «Zukunftsforschern» herangezogen, um vor einem drohenden Zusammenbruch des Ökosystems Erde zu warnen. Aus anderen Lagern ist dann wieder von Zeit zu Zeit das Argument zu hören, dass man angesichts solcher Bevölkerungsprognosen letztendlich ja nicht wissen kann, was in den nächsten Jahrzehnten noch so alles geschehen wird. Naturkatastrophen und Epidemien könnten sich ja vermehren und so das Wachstum der Weltbevölkerung mehr oder weniger verlangsamen. Den letzteren sei entgegengehalten, dass, so oder so, eine allgemeine Häufung von Naturkatastrophen und Epidemien, angesichts der Weltbevölkerungsentwicklung, nur ein Tropfen auf den heißen Stein ist. Laut Angaben des UNO-Zentrums für Seuchen- und Katastrophenforschung (CRED) war das Jahr 2010 eines der schlimmsten innerhalb der letzten zwei Jahrzehnte. 373 Naturkatastrophen haben die Menschheit heimgesucht in diesem Jahr. 300 000 Menschen kamen dabei ums Leben.
Das Wachstum der Weltbevölkerung braucht weniger als 2 Tage, um diese Menschenzahl zu «ersetzen» (natürlich ist ein Menschenleben nicht zu ersetzen, aber das ist nicht das Problem, um das es hier geht).
Naturkatastrophen tragen aber nicht nur nichts dazu bei, die Weltbevölkerungsexplosion zu dämpfen, sie verschärfen die Probleme in diesem Zusammenhang sogar noch erheblich, denn die 373 Naturkatastrophen des Jahres 2010 haben rund 200 Millionen Menschen obdachlos gemacht und ihnen Hab und Gut genommen.
Also doch düstere Aussichten bezüglich der Weltbevölkerungsentwicklung? Nein. Auch die malthusianischen Thesen haben sich im Nachhinein als falsch erwiesen. Rückblickend und in Anbetracht der heutigen Lage sind wir weit entfernt von den Voraussagen von Robert Malthus und den (fast 200 Jahre nach Malthus immer noch erstaunlich weit verbreiteten) apokalyptischen Visionen zahlreicher Publizisten und Politiker der 1970er und 1980er Jahre. In «Das globale Gleichgewicht» (1974) von der im Februar 2001 verstorbenen US-amerikanischen Umweltwissenschaftlerin und Autorin Donella Meodows heißt es: «Geht in den nächsten Jahrzehnten alles so weiter wie in den vergangenen, beginnt spätestens um das Jahr 2030 aufgrund der sich bis dahin ständig vermehrenden Weltbevölkerung und der entsprechenden Umweltverschmutzung ein unaufhaltsames Sterben. Die zu dieser Zeit auf 10 bis 12 Milliarden angewachsene Menschheit wird zwangsläufig auf etwa ein Sechstel reduziert. Und zwar innerhalb von 20 Jahren ……..». Und in dem Buch aus dem Jahr 1985 «So lasst uns denn ein Apfelbäumchen pflanzen» von Hoimar v. Ditfurth, behauptet der Wissenschaftspublizist am Ende des Kapitels über den kommenden «Zusammenbruch der Biosphäre», dass die Weltbevölkerungsexplosion die Wurzel allen Übels ist und verweist wieder auf die Tatsache, dass eine geometrische Progression der Menschenzahl unweigerlich früher oder später in eine Sackgasse führt, unser Gehirn aber mehr oder weniger unfähig ist, richtig abschätzen zu können, wie schnell solch eine Entwicklung ab einem bestimmten Punkt die Katastrophe auslösen kann. Das wird dann auch anhand von zwei Beispielen veranschaulicht. Wenn Seerosen sich auf der Wasseroberfläche eines Sees ausbreiten, sich die bedeckte Fläche mit jedem Tag verdoppelt und der See nach 99 Tagen halb zugewachsen ist, dauert es in der Tat nur noch einen einzigen Tag, bis er ganz zugewachsen ist (ein ganz ähnliches Beispiel wurde übrigens auch von Joachim Bublath vorgeführt in der oben erwähnten Sendung). Oder wenn wir in Gedanken ein 0,1 Millimeter dickes Blatt Papier in der Hälfte zusammenfalten, und noch einmal und noch einmal und so weiter, dann verdoppelt sich die Dicke des Papiers bei jedem Faltvorgang und erreicht nach nur 50-maligem Zusammenfalten eine Dicke von mehr als hundert Millionen Kilometern.
Nun sind solche Berechnungen zwar interessant und werden oft herangezogen, um dem Menschen klar zu machen, wie unfähig er ist, das Resultat einer längeren geometrischen Progression richtig einzuschätzen, sie taugen aber nicht viel im Zusammenhang mit der tatsächlichen Weltbevölkerungsentwicklung, da ganz einfach die Faktoren, die letztere beeinflussen (und das sind in der Hauptsache menschliche Faktoren), so zahlreich und so schwer einzuschätzen sind, dass niemand deren langfristige zukünftige Entwicklung (also für Zeiträume, die länger sind als zwei bis drei Jahrzehnte) wirklich richtig einzuschätzen vermag. Die Entwicklung der letzten dreißig Jahre bestätigt das und auch die Experten der UNO haben ihre Angaben immer wieder revidieren müssen.

  Wie also ist aus heutiger Sicht und aufgrund dessen, was in den letzten 25 Jahren geschehen ist, die Entwicklung der Weltbevölkerung für die nächsten 30 -40 Jahre einzuschätzen (unter dem Vorbehalt natürlich, dass auch diese Einschätzungen sich im Nachhinein als falsch erweisen können)?
Erfahren Sie mehr dazu in “Das ist unsere Welt

Datenreport der Stiftung Weltbevölkerung (als PDF herunterladen).
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Infoblätter – Grafiken, eine Länderdatenbank zum Thema Weltbevölkerung und eine Weltbevölkerungsuhr finden Sie HIER
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