Das große Sterben

99,9% aller Arten (Tier- und Pflanzenarten zusammengerechnet), die die Erde während ihrer 4,5 Milliarden Jahre dauernden Entwicklungsgeschichte bevölkert haben, gibt es nicht mehr.
Man schätzt, dass zur Zeit 13-14 Millionen unterschiedliche Tier- und Pflanzenarten auf der Erde leben, wovon aber nur 1,75 Millionen wissenschaftlich erfasst sind (Angaben der UNEP).
Obschon die unterschiedlichen Einschätzungen zur Aussterberate (also die Zahl der Arten, die durchschnittlich pro Jahr oder Jahrzehnt aussterben) weit auseinander gehen, sind sich die meisten Wissenschaftler darüber einig, dass sie zur Zeit 100 bis 1000-mal höher ist als in frühgeschichtlichen Zeiten.
Die umfassendste Studie, die in diesem Zusammenhang erstellt wurde, ist der «Global Biodiversity Outlook» (dritte Ausgabe, erschienen im Mai 2010). Sie besagt unter anderem, dass 21 Prozent aller Säugetiere, 30 Prozent der Amphibien und 12 Prozent der Vögel vor dem Aussterben bedroht sind.
Forscher um Anthony Barnosky von der «University of California» in Berkeley gehen davon aus, dass in den vergangenen 500 Jahren mindestens 80 von rund 5 500  Säugetierarten ausgestorben sind. Und die Umweltstiftung «World Wide Fund for Nature» (WWF) lässt wissen, dass zurzeit 17 291 Arten vor dem Aussterben bedroht sind.
Hauptauslöser für dieses globale Artensterben ist der Mensch. Noch nie hat eine Spezies sich so radikal und ohne Rücksicht auf seine Verwandten (die Evolutionstheorie liefert den eindeutigen Beweis dafür, dass alle Lebensformen miteinander verwandt sind) auf der Erdoberfläche ausgebreitet wie der Mensch.
Moderne Fischfangtechniken (elektronische Fischortungsgeräte zum Beispiel) ermöglichen es, dass derzeit jedes Jahr weltweit über 100 Millionen Tonnen Fisch gefangen werden. Wenn mehr Fisch gefangen wird, als sich in den Gewässern regenerieren kann, spricht man von Überfischung. Die Umweltorganisation WWF schätzt, dass bis zum Jahr 2050 die Ozeane leergefischt sein könnten, wenn keine wirksamen Gegenmaßnahmen getroffen werden. Zu den durch Überfischung verursachten ökologischen Schäden (sinkende Biodiversität, Zerstörung von Korallenriffen durch Schleppnetze) kommen noch wirtschaftliche Folgen dazu. Wegen den sinkenden Fischbeständen haben immer mehr Fischer Schwierigkeiten, ihre Erträge stabil zu halten, müssen immer weitere Wege zurücklegen, aufwendigere Fangmethoden einsetzen und können nur dank teurer Subventionen überleben.
Da die Erde einen globalen Lebensraum bildet und die Zerstörung lokaler Lebensräume (tropischer Regenwald zum Beispiel) eine ganze Folge unvorhersehbarer Folgen auslösen kann für das ganze System, drängt sich die Frage auf: Sind wir dabei, den Ast des Lebens abzusägen, auf dem wir sitzen?
Droht dem Menschen bald dasselbe Schicksal wie 99,9% aller Arten, die vor ihm diese Erde bewohnt haben?
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