Weltbevölkerungsentwicklung und Demographischer Übergang

Es hat sich gezeigt, dass sich so gut wie alle Bevölkerungen dieser Welt nach einem bestimmten Modell entwickeln, ein Modell, das als «demographischer Übergang» bezeichnet wird. (siehe Grafik).

Demographischer ÜbergangWährend einer ersten Phase sind Geburten- und Sterberate hoch und die Bevölkerungszahl nimmt nur langsam zu. Die Eltern wünschen sich viele Kinder. Kinder sind zusätzliche Arbeitskräfte und sie müssen die Eltern versorgen, wenn diese krank werden und im Alter nicht mehr selbst arbeiten können, da Rentensysteme noch nicht vorhanden sind. Wenn viele Kinder geboren werden, ist auch die Wahrscheinlichkeit höher, dass, angesichts der hohen Kindersterblichkeit, wenigstens ein oder zwei Kinder ein höheres Alter erreichen («Die Betten des Elends sind fruchtbar»). Hinzu kommt, dass es allgemein von der Gesellschaft gut angesehen ist, wenn eine Frau mehrere Kinder in die Welt setzt (in islamischen Ländern ist auch heute noch der Druck der Gesellschaft auf die Frauen in dieser Hinsicht sehr groß. Ein arabisches Sprichwort sagt: «Eine Frau, die keine Kinder zeugt, bringt Unglück»). Und schließlich ist noch zu bedenken, dass moderne Verhütungsmittel während dieser ersten Phase noch unbekannt sind.

Die hohe Sterberate während dieser Phase des Modells erklärt sich durch die allgemeinen Lebensbedingungen, die früher deutlich schlechter waren als heute: schlechte Gesundheitsversorgung, mangelnde Hygiene (kein fließendes Wasser in den Häusern) und sporadisch auftretende Hungersnöte, da die landwirtschaftliche Produktion nicht immer ausreichte und der Mangel nicht ausgeglichen werden konnte durch Importe (das Verkehrsnetz war nicht leistungsfähig genug und der internationale Handel nur wenig entwickelt).

Während einer zweiten Phase beginnt dann der demographische Übergang und die oben beschriebenen Verhältnisse verändern sich mehr oder weniger schnell. Neue Medikamente kommen auf den Markt, neue medizinische Geräte werden entwickelt, die Krankenhäuser sind besser ausgestattet und die Ärzte besser ausgebildet, die Modernisierung und Mechanisierung der Landwirtschaft (dazu gehört auch der massive Einsatz von chemischen Düngern) ermöglichen höhere Hektarerträge, Gemeinden bekümmern sich um die Wasserversorgung und die Entwicklung des internationalen Handels ermöglicht es, die Mängel an lebensnotwendigen Gütern bestimmter Regionen auszugleichen.

So beginnt die Sterberate zu fallen, aber die Geburtenrate zieht nicht nach, da die Traditionen sich nicht so schnell verändern wie Wissenschaft und Technik fortschreiten. Es kommt zur Bevölkerungsexplosion.

Die Hauptursache für die Bevölkerungsexplosion liegt also in der Verbesserung der Gesundheitsversorgung und der allgemeinen Lebensbedingungen und einem damit verbundenen rapiden Rückgang der Säuglingssterblichkeit, während im gleichen Zeitraum die Geburtenrate nur unwesentlich sinkt, da der Wunsch nach einer großen Familie nur allmählich abnimmt und der Zugang zu modernen Methoden der Familienplanung begrenzt bleibt. Je größer aber der Unterschied zwischen Sterbe- und Geburtenrate, umso stärker das Bevölkerungswachstum.

Erst Jahrzehnte später bewirken der wirtschaftliche und vor allem der gesellschaftliche Wandel auch eine progressive Abnahme der Geburtenrate. Moderne Verhütungsmittel kommen auf den Markt, immer mehr Mädchen besuchen Hochschulen und Universitäten, es wird demzufolge immer später geheiratet (die Zeitspanne für mehr Kinder wird dadurch verkürzt), Rentensysteme werden eingerichtet (die Kinder brauchen die Altersversorgung der Eltern nicht mehr zu übernehmen) und die Einstellung zur kinderreichen Familie verändert sich nach und nach. Materieller Luxus wird einer kinderreichen Familie vorgezogen. Zu viele Kinder werden als eine zu große Last angesehen, und das umso mehr, da immer mehr Frauen arbeiten und Wert auf ihre berufliche Laufbahn und finanzielle Unabhängigkeit legen. Die zunehmende Verstädterung der Welt beschleunigt übrigens noch diesen globalen Rückgang der Geburtenraten. Das beste Verhütungsmittel ist die wirtschaftliche und gesellschaftliche Weiterentwicklung.

Dass sich die diversen Phasen des demographischen Übergangs zu unterschiedlichen Zeiten ereignet haben, je nach Kontinent und Land (in Westeuropa und Nordamerika beispielsweise viel früher als in den meisten afrikanischen, asiatischen und lateinamerikanischen Ländern), und dass der Rückgang der Säuglingssterblichkeit in den Entwicklungsländern sich, wenn auch später, so doch schneller ereignen konnte dank importierter Medikamente, Impfstoffe und Seife aus den Industriestaaten (was unter anderem dazu geführt hat, dass die Bevölkerungsexplosion umso heftiger ausfiel), ist für das Verständnis der globalen Bevölkerungsentwicklung bedeutungslos. Entscheidend ist, dass der demographische Wandel sich so gut wie überall ereignet, was letztendlich einen globalen Bevölkerungsrückgang zur Folge hat.

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