Geballte Macht

Seit der Industrierevolution im 19. Jahrhundert haben die Wirtschaftsleistung weltweit und der Gesamtwert von Waren und Dienstleistungen, die zwischen den Ländern gehandelt werden, enorm zugenommen. Im 20. Jahrhundert hat sich der Wert des Welthandels verhundertfacht. Einen zusätzlichen Aufschwung bekam der Welthandel mit der Globalisierung der Wirtschaft und der allgemeinen Öffnung der Märkte seit Beginn der 1980er Jahre.
Die kaufkraftbereinigten Angaben des Internationalen Währungsfonds geben für 2009 ein weltweites Bruttoinlandsprodukt von knapp siebzigtausend Milliarden Dollar an. Das BIP gibt den Gesamtwert aller Güter und Dienstleistungen an, die während einem Jahr in einem Land erzeugt werden. Von 194 Staaten weltweit erwirtschaften die sechs wirtschaftsstärksten mehr als die Hälfte des weltweiten BIP. Es sind dies die USA, China, Japan, Indien, Deutschland und das Vereinigte Königreich.
Es gibt nur 14 Staaten auf der Welt mit einer jährlichen Wirtschaftsleistung, die höher ist als 1000 Milliarden Dollar. Diese 14 Staaten erwirtschaften knapp 70% des weltweiten BIP, also mehr als zwei Drittel.

BIP

Das BIP im Jahr 2005 der zehn wirtschaftsstärksten städtischen Großräume (Tokyo, New York, Los Angeles, London, Chicago, Paris, Mexiko, Philadelphia, Osaka und Washington) betrug 5600 Milliarden Dollar. Nach einer Angabe der französischen Website «LeJournalduNet» wird es im Jahr 2020 bei 7900 Milliarden liegen.
Das BIP der Zentralafrikanischen Republik, ein Land mit dreieinhalb Millionen Einwohnern und von der Größe Frankreichs, ist mehr als 9000-mal geringer als das der Vereinigten Staaten.
Auch beim BIP/Kopf sind die Unterschiede gewaltig. Im Durchschnitt erwirtschaftet jeder Einwohner in Luxemburg oder auf der Halbinsel Katar mehr als siebzigtausend Dollar pro Jahr, in der Demokratischen Republik Kongo oder im Simbabwe sind es gerademal etwas mehr als dreihundert Dollar, das ist 233-mal weniger.

In den wirtschaftsdominanten Staaten sind auch die meisten bedeutenden multinationalen Firmen ansässig und tätig. Sie sind die wichtigsten Akteure der globalisierten Weltwirtschaft. Laut einer Rangliste des US-amerikanischen Wirtschafts-Magazins «Fortune» sind siebzig der 100 umsatzstärksten Unternehmen der Welt, also fast zwei Drittel, in nur vier Staaten konzentriert. Es sind die USA (mit 29 Unternehmen), Japan und Deutschland (jeweils 11 Unternehmen) und Frankreich (10).

Wal-Mart, der größte private Arbeitgeber der Welt, beschäftigt über 2 Millionen Mitarbeiter und macht einen Jahresumsatz von mehr als 400 Milliarden US-Dollar (Tendenz steigend). Diese Summe über-steigt das BIP der Schweiz oder Belgiens. Es gibt auf der Welt nur 28 Staaten, deren BIP den Umsatz von Wal-Mart übersteigt.

85% des weltweiten Handels wird zwischen nur drei Großregionen abgewickelt, die zusammen die so genannte Triade bilden: Nordamerika, die Europäische Union und Ostasien. Afrika zum Beispiel ist flächenmäßig fast dreimal so groß wie Europa, hat aber nur einen Anteil am Welthandel von 2 – 3 Prozent.

Die Ungleichgewichte sind nicht weniger gering bei der Herstellung und dem Transport von Waren. Ob bei der Herstellung von Computern, Autos und Elektrogeräten oder der Förderung von Erdöl, immer sind es nur eine Handvoll Staaten, die mehr als die Hälfte der Produktion für sich haben.

Die 7 wichtigsten Erdölförderländer sind Russland, Saudi-Arabien, die USA, Iran, China, Kanada und Mexiko. Von den 80,94 Millionen Barrel, die 2009 jeden Tag im Durchschnitt weltweit gefördert wurden, entfielen etwas mehr als die Hälfte auf diese sieben Länder. 85% der weltweiten Fördermengen entfallen auf die 20 wichtigsten Förderländer.

Erdölförderländer

In einem Artikel von J. Messner & H.G. Babies, veröffentlicht von der «Bundesanstalt für Geowissenschaften und Rohstoffe» (Commodity Top News Nr. 34) weisen die beiden Autoren darauf hin, dass Nordafrika und der Nahe Osten eine Schlüsselregion für die Erdölversorgung der Welt bilden: «Die MENA-Region (Middle East & North Africa) erstreckt sich von Marokko im Westen bis zum Iran im Osten und ist die bedeutendste Kohlenwasserstoff-Provinz der Welt. Hier befinden sich in etwa 70 % der Welterdölreserven und knapp 44 Prozent der Welterdgasreserven. Rund 36% der globalen Erdölförderung und etwa 19% der Erdgasförderung stammen aus dieser Region».
Laut einer Statistik der OPEC aus dem Jahre 2010 teilen sich Venezuela und Saudi-Arabien mehr als 40 % der weltweit bekannten Erdölreserven.

Bei der Stahlproduktion ist das Ungleichgewicht noch größer. Nur 4 Staaten haben zwei Drittel der weltweiten Produktion für sich: es sind China, Brasilien, Australien (mit jeweils rund 20%) und Indien (12 %). Und bei der Kohle entfällt fast die Hälfte der weltweiten Produktion auf ein einziges Land: China allein fördert 48,8% davon (Quelle: Bundesanstalt für Geowissenschaften und Rohstoffe, 2009).
Auch bei der Nahrungsmittelproduktion ist die Dominanz einiger Staaten erheblich: China, Indien und Indonesien haben 59% der Weltreisernte für sich; die USA und China 58% der Weltmaisernte (Quelle: Welternährungsorganisation der UNO, 2009).

Als letztes Beispiel sei noch auf die «fantastischen Vier» aus der digitalen Welt hingewiesen: Apple, Google, Amazon und Facebook. Der Unternehmenswert dieser vier Konzerne wird auf 750 Milliarden Dollar geschätzt (siehe Tabelle unten). Die derzeit wichtigste Suchmaschine im Internet «Google» erhält mehrere Milliarden Suchanfragen pro Tag und an Spitzentagen laufen bei Amazon über 13 Millionen Bestellungen ein.

Die digitalen Vier

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