Die Verstädterung der Welt

«Einst war die Stadt das Symbol einer ganzen Welt. Heute ist die ganze Welt im Begriff, Stadt zu werden» (Lewis Mumford).
Die Wanderung der Menschen vom Land in die Städte ist die größte Völkerwanderung in der Geschichte der Menschheit und ist, genauso wie die Weltbevölkerungsexplosion, ein einmaliges Ereignis.
Im Jahr 1900 lebten nur 10% der Weltbevölkerung in Städten. Mitte des 20. Jahrhunderts waren es knapp 30% und um die Jahrhundertwende vom 20. ins 21. Jahrhundert lebten zum ersten Mal mehr als die Hälfte der Menschen in Städten. Experten gehen davon aus, dass dieser Prozentsatz weiter ansteigen wird bis um die 75% um das Jahr 2050 herum.
In Afrika leben heute zwölfmal mehr Menschen in den Städten als 1950, in Asien sieben bis achtmal mehr. In manchen Ländern, wie Australien z. Bsp., beträgt der Anteil der Stadtbevölkerung an der Gesamtbevölkerung schon mehr als 90% ( Urbanisierungsgrad: Anteil der Stadtbevölkerung an der Gesamtbevölkerung und Urbanisierungsrate: Zuwachs des Anteils der Stadtbevölkerung an der Gesamtbevölkerung für die Länder dieser Welt finden Sie hier).
Wächst die Bevölkerungszahl einer Stadt um mehr als 3% jährlich, was in zahlreichen afrikanischen Städten zurzeit der Fall ist, dann verdoppelt sich die Bevölkerung dieser Stadt in weniger als 25 Jahren. Gab es im Jahr 1900 nur 17 Millionenstädte weltweit, so ist diese Zahl inzwischen angewachsen bis auf 430. Bis 2025 wird es sehr wahrscheinlich neun Megastädte geben mit mehr als 20 Millionen Einwohnern. Jeden Monat wächst der Anteil der Menschen, die in Städten wohnen, weltweit um mehrere Millionen.
Lewis Mumford hat den Prozess der weltweiten Verstädterung folgendermaßen zusammengefasst: «Einst war die Stadt das Symbol einer ganzen Welt. Heute ist die ganze Welt im Begriff, Stadt zu werden».
Vor allem in den Entwicklungsländern ist heutzutage die Wanderung der Menschen vom Land in die Städte immer noch sehr stark, da einerseits die Landflucht später begonnen hat und andererseits die Lebensbedingungen auf dem Land für viele erschwert werden durch ungerechte Besitzverhältnisse in der Landwirtschaft und ungünstige Naturbedingungen, wie Dürreperioden und Bodenerosion zum Beispiel. Verstärkt wird das Phänomen noch durch die hohen Geburtenzahlen. So kommen in vielen Städten tagtäglich Tausende an, mit der Hoffnung auf ein besseres Leben. Die meisten werden enttäuscht und lassen sich in Armenvierteln (Slums) nieder, da sie sich eine ordentliche Wohnung nicht leisten können.
Bezieht man sich auf UNO-Schätzungen, dann lebten 1990 rund 700 Millionen Menschen in Slums, etwas mehr als 13% der damaligen Weltbevölkerung. Im Jahr 2000 waren es schon 920 Millionen, etwas mehr als 15% der Weltbevölkerung. Bis zum Jahr 2050 wird diese Zahl mit großer Wahrscheinlichkeit ansteigen bis über 2 Milliarden; das wären 21% von 9,5 Milliarden Menschen, die dann wahrscheinlich auf der Erde leben werden. Einige sehr pessimistische Aussagen gehen sogar davon aus, dass schon im Jahr 2030 die Hälfte der Menschheit in Armutsunterkünften leben wird. In manchen Großstädten der Entwicklungsländer ist es tatsächlich heute schon über die Hälfte der Einwohner.
Geographen, Archtitekten und Soziologen stellen immer häufiger die Frage: wie sollten oder könnten zukünftige Städte aufgebaut sein und funktionieren, um eine ausreichende Lebensqualität für deren Einwohner zu gewährleisten und gleichzeitig einen vernünftigen Umgang mit den verfügbaren Ressourcen zu ermöglichen? Welche durchführbaren Lösungen bieten sich an, um den betroffenen Menschen Aussicht auf eine bessere Zukunft zu ermöglichen?
In “Das ist unsere Welt” erfahren Sie anhand von zahlreichen Beispielen aus aller Welt, wie die Städte der Zukunft aussehen und funktionieren könnten.