Ressourcen für 7 Milliarden Menschen

5% der 7 Milliarden Menschen, die die Erde bewohnen, verbrauchen 25% aller verfügbaren Ressourcen. Zu diesen Ressourcen gehören zum Beispiel Rohstoffe wie Erze, Holz, Baumwolle oder Energieressourcen wie Erdöl und Erdgas, aber auch Wasser und Nahrungsmittel.

20% der Weltbevölkerung verbrauchen 80% der Energie. Laut Einschätzungen der Internationalen Energie-Agentur IEA verbrauchen die 2,2 Milliarden Einwohner der unterentwickelten Länder bis zu 35-mal weniger elektrische Energie als die 1,3 Milliarden Einwohner der Industrieländer.
In den USA gibt es 3 Autos je 4 Einwohner. Wäre dieses Verhältnis genauso in China, dann gäbe es in diesem Land 1 012 500 000 Autos. In Deutschland gab es Anfang 2009 über 41 Millionen Personenkraftwagen, das ist 5-mal so viel wie auf dem ganzen afrikanischen Kontinent.
Es gibt zurzeit 900 Millionen Autos weltweit (davon fahren 235 Millionen in den USA, wovon wiederum 10% allein in Los Angeles fahren und somit fast ein Viertel des Stadtgebietes bedecken).
Würde jeder dem Modell der modernen Industrieländer folgen, gäbe es auf der Erde schätzungsweise 5 Milliarden Autos.

  Würden die 7 Milliarden Menschen, die die Erde bevölkern, alle so leben wie die Einwohner der so genannten modernen Industriestaaten, dann bräuchten wir 5 Erden, um genug Ressourcen für alle zu haben.

In den 1990er Jahren entwickelte der Schweizer Mathis Wackernagel zusammen mit William Rees das Konzept des ökologischen Fußabdrucks. Jeder Mensch benötigt eine gewisse Fläche Erde, um seinen Lebensstandard zu gewährleisten. Gemessen werden also alle Ressourcen, die für Produktion, Verbrauch und Aufnahme von Abfall nötig sind. Folgende Komponenten werden bei der Messung berücksichtigt: landwirtschaftlich genutzte Flächen, Wälder, Fischgründe, Weideland, bebautes Land (Verkehrsnetz, Wohnsiedlungen, Industrien z. B.), die Flächen, die notwendig sind zur Abfallbeseitigung und das durch menschliche Aktivitäten ausgestoßene Kohlendioxid.
Im Zusammenhang mit dem ökologischen Fußabdruck wird auch die Menge an Rohstoffen und Energie errechnet, die eine bestimmte Fläche liefern kann. Man bezeichnet sie als Biokapazität. Wenn der Fußabdruck größer ist als die Biokapazität, dann besteht eine negative Ökobilanz. Die Maßeinheit zur Berechnung des ökologischen Fußabdrucks und der Biokapazität ist der globale Hektar (gha).
Die globale, also weltweite Ökobilanz, ist seit Mitte der 1980er Jahre negativ.
Zurzeit gibt es 11,5 Milliarden Ha Land auf der Erde, die biologisch reproduktiv sind. Teilt man diese Fläche durch die 7 Milliarden Menschen, die die Erde bevölkern, dann ergibt das 1,8 Ha pro Kopf. Beansprucht werden aber durchschnittlich 2,2 Ha. Das globale ökologische Defizit beträgt also etwas mehr als 20%.
In der Schweiz beansprucht ein Mensch im Durchschnitt 5,5 Hektar, in den USA sind es 9,6 Ha, in den Vereinigten Arabischen Emiraten sogar 11,9. In China sind es lediglich 1,6 und in Indien nur noch 0,8.

John Antony Allen prägte den Begriff vom «virtuellen Wasser». Es ist die gesamte Wassermenge, die zur Erzeugung eines Produktes be-nötigt wird. So sollte richtigerweise bei der Fleischproduktion nicht nur das Wasser verrechnet werden, das die Tiere trinken, sondern auch die Wassermengen, die nötig sind für die Bewässerung der Felder, auf denen die Futterpflanzen für die Tiere wachsen. Im Durchschnitt werden zwischen 15 000 und 20 000 Liter Wasser für die Erzeugung von einem Kilogramm Rindfleisch verbraucht. Für eine Tasse Kaffee (ein reines Genussmittel) werden durchschnittlich 140 Liter Wasser benötigt, rechnet man die Wassermengen mit, die beim Anbau der Kaffeesträucher, für die Röstung der Bohnen, sowie bei der Verschiffung und der Zubereitung von Kaffee benötigt werden. Für die Herstellung eines Autos werden bis zu 400 000 Liter virtuelles Wasser benötigt.
Man schätzt, dass durch die globalisierte Wirtschaft jedes Jahr bis zu 1000 Kubikkilometer Wasser in fremde Länder exportiert werden.
Diese Beispiele und Rechnungen machen klar, dass das Problem der Überbevölkerung in einem neuen Licht gesehen werden muss.
Unter diesem Gesichtspunkt sind es nämlich vor allem die modernen Industriestaaten, die stark überbevölkert sind, da sie durch ihren Lebensstil und ihre Verbrauchergewohnheiten die verfügbaren Ressourcen überbeanspruchen.

Die entscheidende Größe ist nicht die Gesamtzahl der Menschen oder die durchschnittliche Zahl der Menschen pro Quadratkilometer (also die Bevölkerungsdichte), sondern das Maß der Beanspruchung der verfügbaren Ressourcen, also der Lebensstil dieser Menschen.
(Ausschnitt aus “Das ist unsere Welt“; 356 Seiten, Paperback)
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HIER können Sie Ihren persönlichen ökologischen Fußabdruck berechnen.

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