Die Welt ist besser, als man denkt

Am 16. April explodieren in der US-Metropole Boston zwei Bomben. Zur Zeit der Explosion, die entlang der Marathon-Strecke gezündet wurden, waren mehrere hundert Tausend Läufer unterwegs. Die Bilanz: 3 Tote und über hundert Verletzte. Es dauerte nicht lange, bevor die ganze Welt darüber unterrichtet war. Wieder einmal war die Welt schockiert; Erinnerungen an die Attentate des 11. Septembers 2001 wurden wach. Niemand wird wohl die Notwendigkeit abstreiten, über solch ein Ereignis zu berichten, dennoch haben wir hier wieder ein Paradebeispiel dafür, wie die Medien uns eine Welt zeigen, die in Wirklichkeit viel besser und friedlicher ist, als das, was man uns jeden Tag im Fernsehen, im Internet und in der geschriebenen Presse präsentiert. Ich möchte hier noch einmal die zwei wichtigsten Gründe aufführen, warum das so ist.

Erstens: die Medien sind sozusagen gezwungen, spektakuläre Ereignisse in den Vordergrund ihrer Nachrichten zu stellen, da diese die meiste Aufmerksamkeit auf sich ziehen. Der überwiegende Teil der spektakulären Ereignisse bezieht sich auf Wirtschaftskrisen, Kriege, kriminelle Taten, Naturkatastrophen und Unfälle. Hätte das Bombenattentat in Boston nicht stattgefunden, hätten wir mit großer Wahrscheinlichkeit nicht einmal etwas darüber erfahren, dass dieser Marathon am 16. April in Boston stattgefunden hat, obschon es sich um ein äußerst erfreuliches und außergewöhnliches Ereignis handelt (immerhin nahmen über 500 000 Läufer an dem Ereignis teil). Das Problem der spektakulären (negativen) Nachrichten ist ein finanzielles Problem: spektakuläre Nachrichten verkaufen sich besser als gute, sie ziehen mehr Zuschauer vor die Bildschirme und bewegen mehr Menschen dazu, eine Zeitung oder ein Buch zu kaufen, wenn auf der Titelseite ein Problem angesprochen wird, das uns bedrohlich erscheint. Beispiele dafür gibt es reichlich (vor einigen Tagen machte in Luxemburg die Nachricht die Runde, dass der Finanzminister beschlossen habe, das Bankgeheimnis zu lockern; am Tag darauf lautete einer der Haupttitel in einer der führenden Tageszeitungen: «Das Aus für den luxemburger Finanzplatz?»). Die Journalisten treiben ein (leider gefährliches) Spiel mit der Angst.

Zweitens: unser Verstand ist darauf ausgelegt, sich mit Problemen zu beschäftigen. Es ist fast so, als könnten wir nicht anders, als uns dauernd mit Problemen zu beschäftigen. Das trifft natürlich auch zu für die Journalisten und deshalb überwiegen die negativen Nachrichten. Leider verzerren sie die Realität. Die Tatsache, dass unser Verstand dauernd danach sucht, sich mit Problemen auseinanderzusetzen, hat einen evolutionären Grund. Zu einer Zeit, als die ersten Menschen in den Besitz der Sprache gelangten, entwickelte sich auch das Denken, also der Verstand (lesen Sie auch hier: «Mensch und Verstand»). Diese Fähigkeit war ein äußerst wirkungsvolles Instrument zur Lösung von Problemen. Lösungen für anstehende Probleme zu finden wurde sozusagen zur Hauptaufgabe des ausgereiften Denkvermögens und das hat sich bis heute nicht geändert. Andreas Knuf schreibt in seinem empfehlenswerten Buch «Ruhe da oben» (S. 79): «Unser Geist ist regelrecht verliebt in Probleme. Er sucht sie und notfalls erfindet er sie sogar».

Versuchen Sie der Funktionsweise Ihres Verstandes etwas auf die Schliche zu kommen und Sie werden erkennen, dass die Welt eine viel bessere ist, als sie allgemein dargestellt wird.

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