Die Revolution des Wissens

Da die meisten der Probleme, mit denen die Menschheit konfrontiert ist, auf Ignoranz (also auf Nichtwissen) zurückzuführen sind, liegt in der Revolution des Wissens eine neue, einmalige Chance. In unserer heutigen Zeit sind die Bedingungen dafür, dass das Suchen nach Problemlösungen immer schneller und erfolgreicher vonstattengehen wird, besser als je zuvor, denn die modernen Kommunikationsmittel, an aller erster Stelle das Internet, haben eine einmalige Wissensrevolution eingeleitet.
Im Internet liegt sozusagen das gesamte Wissen der Menschheit vor uns ausgebreitet, das meiste kostenlos. Die Enzyklopädie Wikipedia beispielsweise umfasst über 30 Millionen Artikel zu allen Wissensbereichen. Über Glasfaserkabel «laufen» jeden Tag Milliarden Informationen mit Lichtgeschwindigkeit um den ganzen Globus. Experten gehen davon aus, dass bis zum Jahr 2014 die Menge der Daten, die jeden Tag weltweit übertragen werden, die 1,4 Exabyte-Grenze überschreiten wird, was der 3500-fachen Information aller Bücher entspricht, die jemals geschrieben wurden. Würde man alle im Internet verfügbaren Daten auf DVDs pressen und sie aufeinanderstapeln, ergäben sie einen Turm von 780 000 Kilometern Höhe, zweimal die Distanz von der Erde bis zum Mond, so die Schätzungen der Experten der Firma «IDC Technologies». Und innerhalb der nächsten zehn Jahre soll sich diese Menge verdreifachen. Aber nicht nur die zur Verfügung stehende Informationsmenge ist das Entscheidende, sondern vor allem die Leichtigkeit und die Schnelligkeit, mit der Menschen in aller Welt sie erreichen können. Und obschon es immer noch beträchtliche Unterschiede hinsichtlich der Internet-Anschlussrate zwischen den Ländern gibt (laut Angaben der Weltbank haben in Äthiopien nicht einmal 1% der Einwohner Internetzugang, während es in Island über 95% sind), werden auch in den wirtschaftlich schwächeren Ländern dank einer explosionsartigen Verbreitung von Mobilfunkgeräten immer mehr Menschen sich die neuen Informationsquellen zunutzemachen.

Der revolutionäre Charakter dieser Entwicklung liegt in einer enormen Beschleunigung der Wissensausbreitung weltweit, sowie in der zunehmenden digitalen Vernetzung der Weltbevölkerung.
Ich wage somit die Aussage, dass sich in Zukunft mit hoher Wahrscheinlichkeit mehr denn je zeigen wird, dass der Fortschritt von Wissenschaft und Technik in der Lage ist, eine bessere Welt zu schaffen, da zum ersten Mal in der Menschheitsgeschichte die meisten Probleme schneller gelöst werden als sie entstehen.
In seinem 2009 erschienenen Buch «Verblöden unsere Kinder» zeigt Dr. Jürgen Holtkamp eine Grafik, auf der man sieht, dass in Deutschland 91% der 14-19-Jährigen im Durchschnitt 13,7 Stunden pro Woche im «World Wide Web» verbringen. Stellen Sie sich vor, die Hälfte dieser Zeit würde dazu verwendet, um sich weiterzubilden. Das Potenzial, um das allgemeine Bildungsniveau mithilfe des Internet zu steigern, ist enorm. Zwischen 26 und 27 Millionen Zuschauer schauen sich an einem Tag im Durchschnitt 100 Millionen Stunden Videos über das Portal «Youtube» an. Dass die Qualität der angebotenen Videos seit vielen Jahren enorm gestiegen ist, ist leider den Wenigsten bekannt. Immer mehr qualitativ wertvolle Dokumentarberichte werden hochgeladen und stehen jedem  frei zur Verfügung, der über einen Anschluss ins Internet verfügt. Das Angebot von «Youtube» ist erstaunlich vielseitig und lehrreich, wenn man es richtig zu nutzen weiß und die richtigen Suchbegriffe oben in den Suchkasten auf der Hauptseite schreibt. Geben Sie einmal den einen oder anderen der folgenden Begriffe in die Suchkiste ein und überzeugen sich selbst: Universum – Atomphysik – Wasserkreislauf – Biochemie – Erde – Sonnensystem – Russische Revolution – Naturkatastrophen – Hunger – Klimawandel – Kinderarbeit. Oder einfach die drei Wörter «mit offenen Karten» eingeben, um kostenlosen Zugriff zu bekommen auf mehrere hundert Reportagen über die unterschiedlichsten historischen, geographischen und politischen Themen. «Mit offenen Karten» ist eine Dokumentarserie vom französischen Geographen Jean Christophe Victor. Alle Berichte dauern zwischen 10 und 12 Minuten und sind pädagogisch hervorragend gemacht. Wenn sich diejenigen, die pro Tag bis zu 2 Stunden im Internet verbringen, um sich unsinnige Videos anzuschauen, zu chatten und überflüssige Kurznachrichten zu verschicken, auch nur einen einzigen dieser Berichte pro Tag anschauen würden, wäre schon sehr viel getan für die Allgemeinbildung und Bücher wie «Digitale Demenz – Wie wir uns und unsere Kinder um den Verstand bringen» von Manfred Spitzer oder «Internet – Segen oder Fluch» von Kathrin Passig und Sascha Lobo bräuchten nicht geschrieben zu werden. Das Weiterbildungspotenzial des Internet ist enorm. Wir müssen nur lernen, es richtig zu benutzen, damit die Wissensrevolution auch tatsächlich stattfinden kann.
(Ausschnitt aus “Das ist unsere Welt” – 356 Seiten; Paperback).

Wissen ist Macht

Je mehr Wissen wir haben, umso mächtiger sind wir, daran besteht kein Zweifel. Wenn wir auch noch lernen, richtig mit dieser Macht umzugehen, besteht Grund zu hoffen, dass wir in der Lage sind, eine bessere Welt zu schaffen. Ein sehr tiefsinniges Beispiel in diesem Zusammenhang gibt es in einer Partnerschaft zwischen zwei Menschen, die sich lieben und Vertrauen zueinander haben. In solch einer Partnerschaft besitzen beide die Macht, den anderen glücklich zu machen.
Wie Sie sehen, bekommt das Wort «Macht» hier eine ganz andere Bedeutung. Aber genau in diesem Sinn sollten wir den Satz «Wissen ist Macht» auffassen. Wissen soll uns in erster Linie dazu dienen, die richtigen Entscheidungen im Leben zu treffen. Und wenn man die richtigen Entscheidungen im Leben trifft, dann tritt der Erfolg mit Sicherheit ein.
Wissen baut auch die Macht der Ausstrahlung eines Menschen auf. Es verschafft uns ein höheres Bewusstsein, wenn wir gute Texte lesen (schöne und inhaltsreiche Gedichte zum Beispiel), wenn wir uns mit den großen Schöpfungen in der bildenden Kunst, der Musik und Literatur beschäftigen. Unsere Gedankenmodelle verändern sich und wir sehen das Leben mit anderen Augen.
Wir sollten aber auch im Auge behalten, dass es zwei Arten von Wissen gibt. Menschen, die sich viel Wissen angeeignet haben, bezeichnet man üblicherweise als gescheite Menschen und mit Recht. Sie kennen sich besonders gut aus in einem oder mehreren Fächern oder Lebensbereichen.
Ohne den Wert solchen Wissens schmälern zu wollen, wäre dem aber hinzuzufügen, dass man sehr wohl gescheit sein mag, aber dennoch schlechte oder falsche Entscheidungen treffen kann, wenn es einem an gesundem Menschenverstand fehlt. So gibt es Menschen, die über relativ wenig intellektuelles Wissen verfügen, aber sie entscheiden sich meistens richtig, weil sie gelernt haben, auf ihre innere Stimme zu hören, weil sie kreativ denken und handeln können und weil sie auch Entscheidungen mit dem Herzen treffen und nicht nur mit dem Kopf. Blaise Pascal hat das einmal so ausgedrückt: «Das Herz hat seine Gründe, die die Vernunft nicht kennt».
Wir sollten danach streben, uns so viel Wissen anzueignen, wie es nur möglich ist und lernen, dieses Wissen richtig zu gebrauchen, zum größten Nutzen unserer selbst und unserer Mitmenschen.
(Ausschnitt aus “Autonomes Lernen im Internet“;  164 Seiten; Paperback)

  • Follow me on Facebook