Überbevölkert und fast menschenleer

In China und Indien allein lebt mehr als ein Drittel der 7 Milliarden Menschen, die die Erde bevölkern. 1,34 Milliarden Chinesen und 1,24 Milliarden Inder, das macht etwas mehr als zweieinhalb Milliarden Menschen. Wäre die Welt ein Dorf mit 1000 Einwohnern, dann lebten in diesem Dorf 191 Chinesen und 174 Inder.

Es gibt auf der Erde 194 unabhängige Staaten, aber 60% der Weltbevölkerung sind in nur zehn Ländern der Erde konzentriert. Es sind China, Indien, die Vereinigten Staaten von Nordamerika, Indonesien, Brasilien, Pakistan, Bangladesch, Nigeria, Russland und Japan.

In der größten Wüste der Erde, der Sahara, leben auf rund 9 Millionen Quadratkilometern nur 5 Millionen Menschen (alle Wüsten zusammen nehmen rund ein Viertel der Landfläche unseres Planeten ein).

In Bangladesch beträgt die durchschnittliche Bevölkerungsdichte 1070 Menschen pro Quadratkilometer und ist somit 400-mal höher als in Australien und 5000-mal höher als auf Grönland, der größten Insel der Welt.

Auch innerhalb der Länder sind die Kontraste beeindruckend. Im fernöstlichen Inselreich Japan lebt mehr als die Hälfte der 128 Millionen Japaner auf nur 3% der Staatsfläche, und zwar in der Region zwischen Tokio und Fukuoka, in der sich 10 der 11 japanischen Millionenstädte befinden. Im Großraum Tokio, der größte städtische Raum der Erde, leben 36 Millionen Menschen; das sind mehr als im zweitgrößten Land der Erde: in Kanada leben auf rund 10 Millionen Quadratkilometern nur etwas mehr als 34 Millionen.

Und in den Zentren mancher Großstädte, wie New York oder Tokio, befinden sich tagsüber, während den Arbeitszeiten, wenn die Bürohochhäuser gefüllt sind, mehr als 100 000 Menschen auf einem Quadratkilometer.

Die ungleichen Natur- und Wirtschaftsbedingungen haben dazu geführt, dass die Menschen immer in großer Zahl an bestimmten Orten geblieben sind (fruchtbare Ebenen und Flusstäler vor allem), während es immer riesige Gebiete gegeben hat, die so gut wie menschenleer waren und es immer noch sind. Die wichtigsten Faktoren, die eine dichte Besiedlung in solchen Gebieten bis heute verhindert haben (von einigen seltenen Ausnahmen abgesehen) sind Kälte und Trockenheit. Die flächengrößten dieser Gebiete sind die Antarktis (mit 14 Millionen Quadratkilometern die größte Kältewüste der Welt), Grönland, Sibirien, die Sahara, das australische Hinterland, Alaska und der Norden Kanadas.

Eher ungeeignet für eine dichte Besiedlung sind auch die tropischen Regenwälder, die 9% des Festlandes bedecken (13 Millionen Quadratkilometer), sowie die Hochgebirge.

Rechnet man schließlich noch die Meeresflächen zu den dünn- und unbesiedelten Gebieten dazu, dann sind mehr als 85% der Erdoberfläche so gut wie unbesiedelt von Menschen!

Wenn der Anteil der Menschen, die in Städten leben (siehe auch “Die Verstädterung der Welt“), bis zum Jahr 2050 auf 75% weiter ansteigen wird, werden zwei Drittel der Menschen weltweit auf weniger als 6% der Landfläche leben. Angesichts dieser geographischen Tatsache wird klar, dass wir unsere räumliche Präsenz auf diesem Planeten sehr überschätzen. Eine Fehleinschätzung, die darauf beruht, dass die Mehrheit der Menschen in dicht besiedelten Gebieten lebt.

Wenn wir davon ausgehen, dass ein stehender Mensch im Durchschnitt ein Zehntel von einem Quadratmeter Fläche beansprucht und die 7 Milliarden Menschen, die die Erde bevölkern, sich Schulter an Schulter und Rücken an Bauch in einem großen Kreis aufstellen, dann hätten alle Platz auf einer nur 700 Quadratkilometer großen Fläche. Das ist in etwa die Fläche von New York City (ohne Wasserflächen) oder ein zehntausendstel der Erdoberfläche (0,0001 %).

Wenn die Fläche eines DINA-4 Blattes der Größe der Erdoberfläche entspräche (510 Millionen Quadratkilometer), dann entspricht die Fläche, auf der 7 Milliarden Menschen Platz haben, der Größe des Punktes, der am Ende dieses Satzes steht.
Ausschnitt aus: “Das ist unsere Welt” (356 Seiten; Paperback)

Lesen Sie auch folgende beiden Artikel:
Der Mythos von der überbevölkerten Erde
Ist die Erde bereits überbevölkert?

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