Wasser – Das blaue Gold

Water

Wasser ist ein faszinierendes Element. Obschon seine chemische Zusammensetzung sehr «einfach» ist (jeweils ein Sauerstoffatom und zwei Wasserstoffatome bilden ein Wassermolekül), besitzt es eine ganze Reihe von erstaunlichen Fähigkeiten, von denen viele bis heute immer noch nicht ganz von den Physikern erklärt werden können. Wasser ist das einzige Element, das sich bei Abkühlung von 3,98°C bis zum Gefrierpunkt ausdehnt. Festes Wasser in Form von Eis nimmt ein größeres Volumen ein als flüssiges Wasser. Alle anderen Substanzen dehnen sich aus, wenn sie erhitzt werden (erhitzt man ein Gas, dehnt es sich aus, wird leichter und steigt nach oben). Diese Eigenschaft bezeichnen die Physiker als die Anomalie des Wassers. Neuere Forschungsergebnisse zeigen, dass das Wasser Informationen speichert über die Dinge, mit denen es in Berührung kommt, in Form von spezifischen Molekülstrukturen. Die Wassermoleküle bilden dann so genannte Wassercluster.
Professor Dr. Rustum Roy von der «Pennsylvania State University» und Mitglied der «US-International Acadamy of Science» meint,  «dass Wasser vielleicht der größte Erinnerungsspeicher ist, den es gibt, so etwas wie ein Riesencomputer. Wir müssen verstehen lernen, wie es sich organisiert. Es ist wie mit dem Alphabet; durch seine Kenntnis versteht man noch keine Worte oder Sätze. Wir müssen lernen, Wasser in zusammenhängenden Sätzen zu lesen».
Obschon die Theorien über die Informationsspeicherung des Wassers  noch umstritten sind, gibt es immer mehr Wissenschaftler, die sich für dieses Forschungsgebiet interessieren. So konnte zum Beispiel nachgewiesen werden, dass Nutzpflanzen, die mit strukturiertem Wasser bewässert wurden, also Wasser, dessen Struktur gezielt verändert wurde, höhere Erträge bringen und so bis zu 20% der benötigten Wassermengen für die künstliche Bewässerung eingespart werden können. Wasserproben vom Roraima-Tafelberg aus Venezuela, die Forscher im Labor untersucht haben, ergaben, dass dieses Wasser 40 000 Mal mehr energetisch ist als normales Wasser, da es absolut reines Wasser ist.
Wissenschaftler, die die Eigenschaften des Wassers systematisch erforschen, sind sich einig: Wasser ist mehr als nur eine chemische Substanz.

Der größte Teil der Erdoberfläche (71%) ist mit Wasser bedeckt und man schätzt die weltweiten Wasservorkommen auf 1,4 Milliarden Kubikkilometer (ein Kubikkilometer, das sind ein tausend Milliarden Liter).
Die Sonneneinstrahlung gilt als der Motor des Wasserkreislaufs, denn sie sorgt dafür, dass ständig gigantische Wassermengen von der Erdoberfläche verdunsten (pro Jahr rund 500 000 Kubikkilometer), Wolken bilden (in einer einzigen Wolke können bis zu 10 000 Liter Wasser enthalten sein) und als Niederschlag wieder auf die Erde zurückfallen. In etwa ein Fünftel des weltweiten Niederschlags geht über dem Festland nieder. Davon versickern 60 Prozent in den Boden, 25% fließen an der Erdoberfläche ab und der Rest verdunstet. Pflanzen, insbesondere Wälder, spielen dabei eine besondere Rolle. 70% der Niederschläge, die auf einen Wald fallen, werden durch Evapotranspiration wieder an die Atmosphäre zurückgegeben (an einem Sommertag kann eine Buche oder eine Eiche bis zu 500 Liter Wasser verdunsten). In bewaldeten Gebieten ist das Klima feuchter und etwas kühler und das gewonnene Grundwasser reiner, da die Blätter und Nadeln von Bäumen einen beträchtlichen Teil der atmosphärischen Schadstoffe aus der Luft kämmen. Werden größere Waldgebiete kahlgeschlagen, nimmt die Bodenerosion zu, da es keine Wurzeln mehr gibt, die den Boden festhalten (in solchen Regionen kann die Bodenabtragung bis zu 200-mal stärker sein) und die Überschwemmungen sind häufiger und stärker, da der Oberflächen-abfluss zunimmt (Wälder bremsen sozusagen mit ihrem Blattwerk den Niederschlag, der progressiv zum Boden tröpfelt, der Boden ist nicht so schnell vollgesaugt mit Wasser und hat mehr Zeit, große Mengen an Niederschlag aufzunehmen).

Der Mensch besteht zu 70% aus Wasser, das Gehirn sogar zu 80% (ohne Wasser wäre das Gehirn nicht größer als eine Erbse). Ohne Wasser funktioniert der Stoffwechsel lebender Organismen nicht, das Ausschwitzen von Wasser regelt unsere Körpertemperatur, Wasser verdünnt die Magensäure, unterstützt die Lunge beim Atmen, spaltet und transportiert die Salze im Körper und vieles mehr.
Auch die meisten Bäume bestehen zu mehr als 50% aus Wasser (die Blätter sogar bis zu 80%). Der Wassergehalt von Apfel und Birne beträgt 85%, der von Gurke und Tomate sogar 98%. Ohne Wasser gibt es kein Leben.

Fast könnte man meinen, als wäre Wasser ein allgegenwärtiges Element und stehe in fast unbegrenzten Mengen zur Verfügung (an den Niagarafällen stürzen jede Sekunde im Schnitt 4,2 Millionen Liter Wasser in die Tiefe). Doch der Schein trügt. Nur 2,5% der 1,4 Milliarden Kubikkilometer Wasser auf der Erde sind Süßwasser und nur 0,5% sind als Trinkwasser verfügbar, da das meiste Süßwasser als Eis in den Polargebieten gebunden ist (die Antarktis birgt 80% aller Süßwasserreserven). Von den 0,5% befindet sich rund ein Drittel unter dem Boden, in Form von Grundwasserreserven, die zur Nutzung zunächst einmal an die Oberfläche gefördert werden müssen (was in manchen Fällen sehr aufwendig und kostspielig ist).

Weltweite WasservorkommenLässt man die Erde in Gedanken auf die Größe einer Apfelsine schrumpfen, dann ist alles Wasser dieser Erde nur ein einziger Tropfen. Wenn die Apfelsine einen Durchmesser von 7 cm hat, dann beträgt die durchschnittliche Tiefe der Ozeane nur noch drei tausendstel Millimeter (in Wirklichkeit: 3800 Meter).

  Die verfügbaren Süßwasserressourcen sind sehr ungleich verteilt: Brasilien, Russland, China, Kanada, Indonesien, USA, Indien, Kolumbien und die D.R. Kongo verfügen über 60% der Ressourcen. Allein der Amazonas, mit einer durchschnittlichen Wasserführung von 150 Millionen Liter pro Sekunde kurz vor der Mündung in den Atlantik, enthält 25% aller verfügbaren Süßwasserreserven der Erde. Entlang des Amazonas leben aber nur sehr wenige Menschen.

Aus einem Bericht der UNESCO aus dem Jahr 2003 geht hervor, dass Asien zum Beispiel nur über 36% der weltweiten Wasservorkommen verfügt, aber 60% der Weltbevölkerung auf diesem Kontinent leben. Südamerika verfügt über 26% der Wasservorkommen, hat aber nur einen Anteil an der Weltbevölkerung von 6%.

Zu Beginn des 21. Jahrhunderts war der weltweite Wasserverbrauch zehnmal so hoch wie hundert Jahre zuvor. Aufgrund der rasch wachsenden Weltbevölkerung (1,6 Milliarden im Jahr 1900, um die 6 Milliarden zu Beginn des 21. Jahrhunderts), der fortschreitenden Industrialisierung zahlreicher Länder und eines sich immer mehr verbreitenden verbrauchsintensiven Lebensstils (in den modernen Industriestaaten sind der Besitz von Wasch- und Spülmaschine fast zur Selbstverständlichkeit geworden), steigt derzeit die Wassernachfrage um 5-6 Milliarden Kubikkilometer pro Jahr.

Im Westen der USA befindet sich einer der größten unterirdischen Wasserspeicher der Welt. Der so genannte Ogallala-Aquifer erstreckt sich über eine Fläche von rund 450 000 Quadratkilometer (das entspricht in etwa der Fläche Schwedens) und bildet die wichtigste Wasserquelle für die künstliche Bewässerung der landwirtschaftlichen Nutzflächen in den Great Plains. Rund ein Drittel des Grundwassers, das in den USA für künstliche Bewässerung genutzt wird, stammt aus diesem Aquifer. Da die Landwirte mehr Grundwasser an die Erdoberfläche pumpen als durch Niederschläge nachsickert, fällt vielerorts der Grundwasserspiegel. Laut Einschätzungen des «National Water-Quality Assessment Program» (NAWQA) wird derzeit in den Great Plains im Durchschnitt den Bodenschichten 25-mal mehr Grundwasser entnommen als hinzukommt. Und in Kalifornien sind 90 Prozent der Feuchtgebiete verschwunden, da zu viel Wasser für die landwirtschaftliche Nutzung in andere Gebiete umgeleitet wurde.

Ähnliches passiert in zahlreichen Gebieten der Erde, in denen Bewässerungsfeldbau betrieben wird, so zum Beispiel in mehreren semi-ariden Staaten Indiens und in der nordchinesischen Ebene. Immer häufiger trocknet der Gelbe Fluss (an dessen Lauf 170 Millionen Menschen leben und der wegen seiner früheren katastrophalen Überschwemmungen auch noch «Chinas Kummer» genannt wird) an mehreren Stellen aus, wegen den zu hohen Wassermengen, die an seinem Oberlauf für die künstliche Bewässerung der Felder entnommen werden.

Der durchschnittliche Wasserkonsum pro Kopf und pro Tag schwankt erheblich zwischen den reichen und armen Ländern. In den modernen Industriestaaten verbraucht eine Person zwischen 100 und 200 Liter am Tag (eine zehn- bis fünfzehnminütige Dusche verbraucht 40 bis 80 Liter Wasser, in eine Badewanne passen 115 bis 180 Liter und bei einer Toilettenspülung werden 8 bis 15 Liter in den Kanal gespült), in der Wüstenstadt Dubai sogar bis zu 500 Liter. In Indien dagegen sind es nur 25 Liter pro Kopf und Tag.
1,5 Milliarden Menschen haben keinen Zugang zu sauberem Wasser (in den afrikanischen Ländern südlich der Sahara ist das sogar der Fall für 60% der Menschen) und weltweit sterben jeden Tag an die 15 000 Menschen an den Folgen des Konsums unsauberen Wassers. 2,5 Milliarden Menschen verfügen weder über richtige Toiletten noch über Abwassersysteme.

Wasser droht immer mehr zum Streitobjekt zu werden. Laut UNO gibt es weltweit 263 internationale Wasservorkommen (Flüsse, Grundwasservorkommen und Seen). Wenn nicht rechtzeitig Verträge zwischen den Staaten ausgehandelt werden über die Nutzung solcher Vorkommen, kommt es zu Streitigkeiten und Konflikten. Besonders betroffen sind die Gebiete um den Aralsee (seit den 1960er Jahren ist seine Fläche um mehr als die Hälfte geschrumpft, da seinen beiden Zuflüssen Syrdarja und Amudarja zu viel Wasser entnommen wurde zur künstlichen Bewässerung der Baumwoll- und Reisplantagen in der Region), die Gebiete am Ganges, dem Jordan, dem Nil und das Euphrat-Tigris-Becken.

  Ausgerechnet auf dem blauen Planeten wird Wasser immer mehr zur Mangelware. Drohen im 21. Jahrhundert die ersten Kriege wegen des Blauen Goldes auszubrechen?

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  In den modernen Industrieländern trinken die meisten Menschen mehr gekauftes Mineralwasser als Wasser aus der Leitung, obschon letzteres meistens mindestens so gut ist wie Flaschenwasser und 500-1000-mal billiger (in Deutschland beispielsweise kostet ein Kubik-meter Leitungswasser, also 1000 Liter, im Durchschnitt 1,75 Euro). In einer vom Fernsehsender «Arte» ausgestrahlten Sendung zum Thema «Flaschenwasser» («Flaschenwahn statt Wasserhahn») wird auf den Treibstoffverbrauch hingewiesen, um die Flaschen bis in die Geschäfte zu transportieren. Im Claridge Hotel in London werden bis zu 30 verschiedene Wassersorten angeboten. Darunter befindet sich auch Fiji-Wasser, das von den sechzehntausend Kilometer entfernten Fiji-Inseln im Südpazifik importiert wird. Das 1996 gegründete amerikanische Unternehmen «FIJI Water Company LLC», das das Fiji-Wasser auf der Insel Viti Levu aus einem artesischen Brunnen fördert und international vermarktet, exportiert pro Jahr über 155 Millionen Liter.
Beim Abfüllen und beim Transport von einem Liter Flaschenwasser wird bis zu 600-mal mehr CO2 ausgestoßen wie beim Abpumpen von einem Liter Wasser aus einem Fluss. Auf der Basis von Erdöl hergestellte Plastikflaschen werden weggeworfen und verursachen Müll. Sie stellen auch einen großen Teil des Mülls dar, der an den Küsten der Meere angeschwemmt wird.
Für die Konzerne aber handelt es sich um ein Milliardengeschäft und sie setzen alles daran, mithilfe attraktiver Werbung, um immer mehr Kunden an die Flasche zu bekommen. Weltmarktführend ist derzeit der Schweizer Lebensmittelkonzern Nestlé mit einem Marktanteil von 16%.
In der philippinischen Hauptstadt Manila (geschätzte Einwohnerzahl: 15-16 Millionen) sind die Wasserpreise um 500-700% gestiegen, seit die Wasserversorgung 1997 privatisiert wurde und internationale, profitorientierte Konzerne das Wassergeschäft übernommen haben. Die Wasserversorgung im Westteil der Stadt obliegt «Maynilad», ein Konsortium aus der Firma Lopez (die ebenfalls in der Stromversorgung, im Medienbereich und der Telekommunikation aktiv ist) mit dem französischen Konzern Suez, für den Ostteil der Stadt ist die «Manila Water Company» zuständig, ein Konsortium aus dem philippinischen Ayala-Konzern sowie Bechtel aus den USA und Mitsubishi aus Japan. Hundertausende, vor allem die Bewohner der Armenviertel, können sich das Wasser nicht mehr leisten. Dabei ist, nach Aussagen zahlreicher Bürgerrechtler der Stadt, der Zustand der Wasserleitungen in den Armenvierteln so schlecht wie eh und je und die Wasserqualität lässt zu wünschen übrig. Das Wasser aus der Leitung stinkt und ist trübe, viele Menschen werden krank, Cholera breitet sich aus. Die Konzerne legen jede Verantwortung für die Ausbreitung der Cholera ab. Immer mehr Menschen gehen auf die Straße und protestieren gegen ausbleibende Wasseranschlüsse und die Misswirtschaft der Konzerne. Die Zahl der Läden in Manila, die aufbereitetes Leitungswasser verkaufen, nimmt zu. Sie filtern das Wasser aus der Leitung und verkaufen es zum zwanzigfachen Preis. Die höchsten Preise werden bezahlt für Mineralwasser, das von den Konzernen (darunter auch mehrere internationale Unternehmen) in den Supermärkten angeboten wird.
Obschon sich immer noch mehr als 90% der weltweiten Wasserversorgung in öffentlicher Hand befinden, nimmt der Einfluss der Wasserkonzerne von Jahr zu Jahr zu. Internationale Institutionen wie Weltbank und IWF, aber auch die EU-Kommission, unterstützen die Privatisierungspolitik bei der Wasserversorgung. Derzeit teilen sich nur 20 große Wasserkonzerne den Weltmarkt. Die beiden größten, Veolia und Suez, kontrollieren die Hälfte davon.

  Wasser ist lebenswichtig und jeder Mensch hat ein Recht darauf. Droht Wasser nun immer mehr zum Handelsgut zu werden?

Immer mehr Länder auf der Welt leiden unter Wasserstress und Wassermangel, da die verfügbare Süßwassermenge pro Einwohner und pro Jahr abnimmt. Das Wachstum der Weltbevölkerung, wirtschaftliches Wachstum (viele neue Industrieländer) verbunden mit steigendem Wohlstand und eine rasche Verbreitung des modernen Lebensstils haben dazu geführt, dass der weltweite Wasserverbrauch sich in den letzten 100 Jahren verzehnfacht hat. Laut UNEP-Schätzungen (Umweltprogramm der Vereinten Nationen) wird in den nächsten 20 Jahren der Wasserbedarf der privaten Haushalte in der Welt um 80%, der der Industrie um 50% und der der Landwirtschaft um 20% steigen. In nur 20 Jahren könnten mehr als 50 Länder mit insgesamt 3 Milliarden Einwohner von Wassermangel betroffen sein (mehr als ein Drittel der projizierten Weltbevölkerungszahl).

Da die Ozeane 97,5% allen Wassers auf der Erde enthalten und fast ein Viertel der Weltbevölkerung weniger als 25 Kilometer von einer Meeresküste entfernt lebt, drängt sich der Gedanke auf, zur Minderung des Wasserproblems Meerwasser zu entsalzen. Wie ist die Bedeutung dieser Technik für die aktuelle und zukünftige Wasserversorgung einzuschätzen? Laut Angaben der «Global Water Intelligence» (GWI) sind derzeit 12 000 Meerwasserentsalzungsanlagen weltweit in Betrieb mit einer täglichen Gesamtleistung von 36 Millionen Kubikmeter. Andere Quellen, wie der «Verein deutsche Meerwasserentsalzung» schätzen diese Zahlen auf 14 500 Anlagen und 42 Millionen Kubikmeter. Nehmen wir die Mitte dieser beiden Angaben, also 39 Millionen Kubikmeter, als Grundlage für unsere Berechnungen und gehen davon aus, dass in einem modernen Haushalt im Schnitt zwischen 100 und 150 Liter Wasser pro Kopf und pro Tag verbraucht werden, könnte man mit den 39 Millionen Kubikmeter 312 Millionen Menschen versorgen. Das sind 4,45 Prozent der derzeitigen Weltbevölkerung. Des Weiteren geht der GWI davon aus, dass die Produktionskapazität in Zukunft um 7% jährlich wachsen wird (auch in dieser Hinsicht fallen die Schätzungen sehr unterschiedlich aus, je nach Quelle). Rechnen wir mit einem Zuwachs von 3,5 % jährlich, könnten in zehn Jahren 55 Millionen Kubikmeter entsalztes Meerwasser 440 Millionen Menschen mit Trinkwasser versorgen. Das sind dann immer noch nur 5,75 Prozent der für das Jahr 2022 projizierten Weltbevölkerung (7,65 Milliarden), mal ganz abgesehen von den Umweltschäden, die solche Anlagen verursachen, vor allem die Rückführung des entzogenen Salzes ins Meer, was negative Folgen für die Meeresfauna und -flora hat und abgesehen von den hohen Investitions- und Betriebskosten solcher Anlagen. Außerdem stellt sich für viele Regionen, die in weiter Entfernung vom Meer liegen, das Problem der hohen Transportkosten von den Produktionsanlagen in den Küstengebieten bis hin zu den Verbrauchern im Binnenland.  Zwei Drittel aller derzeitigen Anlagen befinden sich übrigens in nur zehn Ländern: es sind dies Saudi-Arabien, die Vereinigten Arabischen Emirate, die USA, Spanien, Kuweit, Algerien, China, Katar, Japan und Australien (in etwa die Hälfte des entsalzten Meerwassers entfällt auf die vier Staaten Saudi-Arabien, die Arabischen Emirate, USA und Spanien). Und obschon auch in diesem Bereich die Forschung nicht Halt macht und beispielsweise die griechische Universität der Ägäis im Rahmen eines Pilotprojektes eine umweltfreundliche Meerentsalzungsanlage entwickelt hat, die im Sommer 2007 in der südlichen Ägäis vor der Insel Iraklia in Betrieb genommen wurde und pro Tag 70 000 Liter qualitativ einwandfreies Trinkwasser produziert und in Singapur Forscher eine Entsalzungstechnologie entwickelt haben, die mit 1,5 Kilowatt-Stunden Energie pro Kubikmeter Wasser 50 Prozent weniger verbraucht als bisherige Verfahren, so kommen doch die wirklichen «Lösungen» für das globale Wasserproblem aus einer ganz anderen Richtung.

Zwei Drittel der weltweit benötigten Wassermengen werden in der Landwirtschaft verbraucht. Undichte Leitungen und extensive Bewässerungsmethoden, insbesondere die Überflutung der Felder, bei der enorme Wassermengen verdunsten und ungenutzt in den Boden versickern und überdies noch die Auslaugung und Versalzung der Böden begünstigt, sind verantwortlich dafür, dass fast die Hälfte des Wassers, das zur künstlichen Bewässerung der Felder eingesetzt wird, verloren geht. Mikrobewässerung mithilfe von dünnen Gummischläuchen, die das Wasser tröpfchenweise direkt zu den Wurzeln der Nutzpflanzen leiten (in manchen Ländern wie Israel zum Beispiel wird die Wasserverteilung sogar von Computern reguliert) verbraucht 30-70 Prozent weniger Wasser und ermöglicht überdies sogar noch höhere Erträge. In der größten Zitrusplantage Südafrikas werden auf einer Anbaufläche von über 1800 Hektar mithilfe von Tröpfchenbewässerung viermal höhere Hektarerträge erzielt als mit der herkömmlichen Überflutungsmethode, und das mit nur einem Drittel der benötigten Wassermenge. Auch hier regulieren computergesteuerte Sonden unter den Bäumen die Verteilung des mit Düngemittel gemischten Wassers.

Aber nur auf knapp 1 Prozent der weltweiten Anbaufläche kommt diese Methode derzeit zum Einsatz.

In manchen Städten wie Kairo zum Beispiel gehen bis zu 60% der gelieferten Wassermengen durch undichte Leitungen verloren. Auch in Paris und in der Megametropole Mexiko sollen es noch 30% sein.
In der südafrikanischen Metropole Durban waren es rund 42% (in manchen Stadtteilen sogar bis zu 87%) bevor der inzwischen 62-jährige Bauingenieur Neil Macleod die Geschicke der Wasser- und Abwasserversorgung der Stadt übernahm und es fertigbrachte, durch entsprechende Maßnahmen die Wasserverschwendung drastisch zu reduzieren. Fen Montaigne berichtet in der September-Ausgabe der «National Geographic» aus dem Jahr 2002 davon, dass Macleod und seine Leute im Rahmen eines umfassenden Programms dafür sorgten, dass die Hauptleitungen erneuert und repariert wurden, Wasseruhren in Wohnungen installiert und die 15 Liter fassenden Spülkästen durch halb so große ersetzt wurden. Diese und weitere Sparmaßnahmen sorgten für einen rückläufigen Wasserverbrauch bei steigender Bevölkerung.

Ein weiterer, wirksamer Lösungsansatz besteht im Recycling von Abwasser. Zwei Drittel der Abwässer in Städten weltweit werden nicht wiederverwendet. Die Technik zur Reinigung von Abwässern ist vorhanden. Schmutziges Wasser sickert durch Sand- und Kohlefilter, wird mit Ozon behandelt und mit Chlor versetzt und innerhalb von 10-15  Stunden wird aus Abwasser wieder trinkbares Wasser.

Des Weiteren könnten aus globaler Sicht enorme Wassermengen eingespart werden durch eine Verringerung des Fleischkonsums in der Welt (vor allem Rindfleisch). Der Wasser-Fußabdruck bei der Produktion von tierischen Produkten ist um ein Vielfaches höher ist als bei der Produktion von pflanzlichen Produkten. Eine Studie der UNESCOgibt als globalen Mittelwert für die Produktion von Rindfleisch 15 400 Liter pro Kilogramm an. Bei Schaf-, Schweine-, Ziegen- und Hühnerfleisch liegen die entsprechenden Werte zwischen 10 400 (für Schaffleisch) und 4300 Liter (für Hühnerfleisch).

Bei der Wasserknappheit gilt also genau dasselbe wie bei der Nahrungsknappheit: die vorhandenen Ressourcen reichen aus, der Mensch muss nur lernen, sparsamer und effizienter damit umzugehen.

Hier noch ein paar Anmerkungen zur Bedeutung von Wassersparmaßnahmen in privaten Haushalten. Obschon letztere im Durch-schnitt weniger als 10 Prozent des weltweiten Wassers verbrauchen, sollten die Möglichkeiten des Wassersparens zuhause nicht unter-schätzt werden. Zu bedenken ist zunächst einmal, dass ein Mensch, der in einem modernen Industrieland wohnt, pro Jahr zuhause in etwa 73 000 Liter Wasser verbraucht (Durchschnittsmenge pro Kopf für die USA, Norwegen, das Vereinigte Königreich und Deutschland). Durch gezielte Sparmaßnahmen (und ohne auf jeglichen Komfort verzichten zu müssen), kann jeder von uns etwas dazu beitragen, das Wasserproblem zu entschärfen. Wenn man zum Beispiel weiß, dass man mit einer einzigen Toilettenspülung so viel Trinkwasser in den Kanal spült (nämlich 6-15 Liter für herkömmliche Spülkästen), wie ein Mensch in einem Entwicklungsland an einem Tag für Trinken, Waschen und Kochen benötigt, dann macht man sich schon eher Gedanken darüber, einen modernen Spülkasten zu installieren mit einer Start/Stopp-Taste, bei der man die Wahl zwischen einem 3 und 6-Liter Spülvorgang hat (über Amazon für weniger als 30.- Euro zu beziehen). Und wenn man weiß, dass eine durchschnittlich große Badewanne bis zu 180 Liter Wasser fassen kann, benutzt man vielleicht schon des Öfteren die Dusche anstatt ein Bad zu nehmen (Wasserverbrauch während einer 10-15-minütigen Dusche: 40-80 Liter). Beim Zähne schrubben und beim Hände waschen kann man bis zu 50 Prozent Wasser sparen, wenn man während dem Einseifen und dem Schrubben den Wasserhahn zudreht. Dasselbe gilt natürlich während dem Duschvorgang (Duschköpfe mit Wassersparfunktion schränken den Wasserverbrauch zusätzlich ein). Eine Waschmaschine verbraucht für einen 60°-Durchgang, je nach Alter, zwischen 50 und 80 Liter Wasser (Modelle, die älter als 10 Jahre sind, verbrauchen meistens mehr als 100 Liter). Moderne Spülmaschinen verbrauchen zwischen 10 und 15 Liter pro Durchgang. Möchte man Wasser sparen, gilt in beiden Fällen, so oft wie möglich Kurzprogramme laufen zu lassen, insofern die Wäsche oder das Geschirr nicht zu sehr verschmutzt sind und die Geräte nur einzuschalten, wenn sie voll sind. Wasserverschwendung entsteht aber auch durch undichte Leitungen und tropfende Wasserhähne. Kostbares Trinkwasser sparen kann man auch als Gartenbesitzer, wenn man einen oder mehrere Behälter draußen aufstellt, um das Regenwasser aufzufangen, das dann zur Bewässerung des Gartens benutzt werden kann. Dass es günstiger ist, am frühen Morgen und während den Abendstunden die Pflanzen zu gießen, um eine zu hohe Verdunstung zu vermeiden, wird auch immer wieder vergessen.

Wenn wir lernen, sparsamer mit dem umzugehen, was wir haben, entschärfen wir nicht nur das Problem der Ressourcenknappheit, sondern sparen überdies auch noch beträchtliche Geldsummen. Der amerikanische Großindustrielle Henry Ford soll einmal gesagt haben: «Reich wird man nicht durch das, was man verdient, sondern durch das, was man nicht ausgibt».

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