Wie das Denken in die Welt kam

Lesen Sie einmal folgende Aussage: «Ich denke, ich habe das jetzt endlich verstanden und bin mir auch darüber bewusst, dass ich noch mehr lernen muss, um mein Wissen in dieser Disziplin zu erweitern, schließlich sind in unserer modernen Zeit die Intelligenz und die geistigen Fähigkeiten eines Menschen von großer Bedeutung».

Niemand wird Schwierigkeiten haben, zu verstehen, was mit diesem Satz gemeint ist. Und doch enthält er eine der wichtigsten Ursachen dafür, dass in der Vergangenheit immer wieder und auch noch heutzutage die Diskussion über den Ursprung, die Natur und die Merkmale des Denkens so schwierig war und bleibt. Um die Frage nach dem Ursprung und der Natur des Denkens auf befriedigende Art und Weise beantworten zu können, ist es von besonderer Bedeutung, näher darauf einzugehen, was man denn überhaupt unter Denken versteht. Und um eine zufriedenstellende Antwort auf diese Frage geben zu können, ist es unerlässlich, einige Begriffe, so gut es geht, voneinander abzugrenzen. Es sind Begriffe, die mit dem Denken oft in einen (wenn auch meistens nicht klar definierten) Zusammenhang gebracht werden und die nicht selten von denjenigen, die sich eingehender mit dieser Frage auseinandergesetzt haben, mehr oder weniger gleichgestellt werden. Unglücklicherweise haben die meisten Menschen sich inzwischen an solche Gleichstellungen gewöhnt, was denn auch erklärt, warum die oben angeführte Aussage niemandem befremdlich vorkommt.

Ich möchte deshalb zeigen, dass es sich hier um Begriffe oder Wirklichkeitsebenen handelt mit zum Teil ganz unterschiedlichen Bedeutungen. Das Denken in seiner am meisten entwickelten Form nimmt unter ihnen eine Sonderstellung ein, da es sich um eine Fähigkeit handelt, über die (auf diesem Planeten zumindest) nur der Mensch verfügt. Um zu begreifen, warum das so ist, ist es notwendig, die Begriffe Intelligenz, Wissen, Lernen und Gedächtnis vom (fortgeschrittenen) Denken abzugrenzen.

Meiner Ansicht nach sind die beiden Begriffe «Intelligenz» und «Wissen» in einem ganz allgemeinen Sinn aufzufassen. Wie schwierig es ist, dem Begriff Intelligenz eine bestimmte Bedeutung zuzuordnen, erkennt man schon daran, dass es bis heute (und das wird aller Wahrscheinlichkeit auch in Zukunft so bleiben) keine von allen Wissenschaftlern (in der Hauptsache Psychologen) akzeptierte Definition dieses Begriffes gibt, geschweige denn über sein Wesen und seinen Ursprung. Es scheint ziemlich offensichtlich zu sein, dass Intelligenz etwas ist, das man nicht nur dem Menschen, sondern auch den Pflanzen, den Tieren und der Natur im Allgemeinen zusprechen kann und muss. Das merken wir schon dann, wenn wir uns die Frage stellen, ob eine Biene grundsätzlich dümmer ist als der Mensch. Obschon sie nur über ein Gehirn verfügt, das gerade Mal ein Milligramm schwer ist, ist das, was eine Biene tut und leistet, alles andere als dumm, oder anders ausgedrückt, sehr intelligent. Dasselbe gilt natürlich für viele andere Tiere auch. Wir können die Natur keinem Intelligenztest unterziehen, trotzdem würde wohl niemand auf den Gedanken kommen, die Natur als dumm zu bezeichnen (sie ist es schließlich, die uns alle hervorgebracht hat).

Insbesondere während den letzten Jahrzehnten haben zahlreiche Tierforscher herausgefunden, dass unzählige Tierarten zu (intelligenten) Leistungen fähig sind, von denen man bisher immer geglaubt hat, sie seien dem Menschen vorenthalten. Schimpansen benutzen Werkzeuge zum Nüsseknacken; Krähen lassen Nüsse auf die Straße fallen, damit die darüber fahrenden Autos sie knacken; Tauben können Bilder von bestimmten Personen von anderen Personen unterscheiden und Waschbären können Knoten aus Schnürsenkeln lösen. Bei Raben konnte Folgendes beobachtet werden: hängt man ein Stück Fleisch an das Ende einer Schnur, die man an einer Stange befestigt, setzt sich der Rabe auf die Stange und zieht mit seinem Schnabel die Schnur Stück für Stück nach oben, um an das Fleisch zu kommen.

Berühmt wurde der Graupapagei Alex (1976 – 2007). «Nach insgesamt 19 Jahren Training hatte Alex einen aktiven Wortschatz von insgesamt 200 Wörtern, die er äußern konnte, und einen Wortschatz von ungefähr 500 Wörtern, die er verstehen konnte. Außerdem konnte er – begrenzt – zählen und selber Wünsche äußern. So sagte Alex zum Beispiel, wenn ihm das Fragespiel nicht mehr gefiel, «I’m gonna go away» (Ich werde weggehen), und wenn der Forscher sich verärgert zeigte, versuchte Alex die Situation durch «I’m sorry» (Tut mir leid) zu entschärfen. Wenn er per «Wanna banana» eine Banane erbeten hatte, aber eine Nuss angeboten bekam, schaute er schweigend vor sich, wiederholte den Wunsch nach einer Banane oder nahm die Nuss und warf sie mit seinem Schnabel gegen den Forscher. Alex’ Verständnis von Zahlen lag im Bereich von unter 7. Wenn er gefragt wurde, wie viele Objekte einer bestimmten Farbe auf einem Brett liegen, gab er in 80 % aller Fälle die richtige Antwort» (aus Wikipedia;  Alex – Graupapagei).

Tiere erproben Neues, um bislang unbekannte Situationen meistern zu können, sind erfinderisch und sind in der Lage, frühere Situationen auf eine neue Lage zu übertragen, um neue und kreatrive Lösungen für ein Problem zu entwickeln; Tiere können vorausplanen und Ereignisse im voraus «berechnen», manche können sogar Situationen vorab im Kopf durchspielen, um dann entsprechend zu reagieren.

Ich möchte an dieser Stelle noch ein weiteres, besonders eindrucksvolles Beispiel dazufügen, um die von mir dargelegte Auffassung des Begriffes Intelligenz zu untermauern. Es enststammt dem Buch «Im Anfang war der Wasserstoff» von Hoimar v. Ditfurth (siehe Seite 10 – 16). Dieses Beispiel ist deshalb so bedeutend, weil es hier um intelligentes Handeln einer Tierart geht, die man, im Vergleich mit Tierarten wie Papageien und Affen, als niedere Tierart bezeichnen kann.

Ausschnitt aus”Also bin ich Mensch” (288 Seiten; Paperback).

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